Die deutsche Wirtschaft erholt sich, die Betriebe stellen deshalb aber nicht mehr ein. In der am 5. November 2026 veröffentlichten Herbstumfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) planen 24 Prozent der Unternehmen mit weniger Personal und nur 11 Prozent mit mehr. Befragt wurden rund 23.500 Unternehmen über 79 Industrie- und Handelskammern zwischen dem 7. September und dem 2. Oktober. Für 2026 und 2027 erwartet die DIHK je 1 Prozent Wachstum.

Warum die bessere Stimmung nicht bei den Stellen ankommt

Der Vergleich mit der Vorumfrage zeigt die Lücke. Die Geschäftslage verbesserte sich laut DIHK-Auswertung im Saldo von minus 3 auf plus 3 Punkte, die Geschäftserwartungen von minus 20 auf minus 13, die Exporterwartungen der Industrie von minus 10 auf plus 3. Der Saldo der Beschäftigungsabsichten bewegte sich dagegen nur von minus 14 auf minus 13. Zu Jahresbeginn hatte er bei minus 11 gelegen, er ist heute also etwas schwächer als im Januar, obwohl die übrigen Werte seit dem Frühsommer zulegten.

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Auch die Prognose schwankte stark: Im Frühsommer hatte die DIHK ihre Erwartung für 2026 von 1,0 auf 0,3 Prozent gekappt, nun steht sie wieder bei 1 Prozent. Ein nachhaltiger Aufschwung sei nicht zu erwarten, schreibt der Verband. Hauptgeschäftsführerin Helena Melnikov fasst es so zusammen: „Die Konjunktur gönnt uns eine Atempause, mehr aber auch nicht.“

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Für die Personalplanung ist das aus unserer Sicht der entscheidende Punkt. Betriebe lesen eine Erholung offenbar noch nicht als Grund, Kapazität aufzubauen. Das passt zum Investitionsbild: Der Saldo verbesserte sich von minus 11 auf minus 6, doch 66 Prozent nennen Ersatzbedarf als Hauptmotiv und nur 19 Prozent eine Ausweitung der Kapazität. Wer nur ersetzt, braucht in der Regel auch kein zusätzliches Personal. Ein ähnliches Muster zeigten zuletzt Autoindustrie und Maschinenbau.

Welche Branchen planen am vorsichtigsten?

  • Handel: Saldo minus 20
  • Industrie: minus 16
  • Bau: minus 12
  • Dienstleistungen: minus 11

Dass der Handel schlechter abschneidet als die viel diskutierte Industrie, geht in der Debatte über den Stellenabbau leicht unter. Allerdings beschreibt der Saldo nur die Absichten der antwortenden Betriebe. Wie viele Arbeitsplätze betroffen sind, lässt sich daraus nicht ablesen, etwa bei Großfällen wie dem Abbau bei Schaeffler.

Ist der Fachkräftemangel vorbei?

Nein, aber er verteilt sich anders. Nur noch 36 Prozent der Unternehmen sehen im Fachkräftemangel ein Geschäftsrisiko, im langjährigen Schnitt waren es 45 Prozent. In einzelnen Branchen bleibt der Engpass aber scharf: Im Tiefbau nennen ihn 70 Prozent, im Straßengüterverkehr 61 Prozent. Für Personaler heißt das, dass sich die Lage je nach Berufsgruppe entgegengesetzt entwickeln kann. Die Engpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit hilft, das für die eigenen Berufe zu prüfen.

Deutlich mehr Sorgen machen die Kosten. 56 Prozent nennen Arbeitskosten als Risiko (Frühsommer: 57 Prozent) und verweisen dabei auf Löhne, Sozialbeiträge und den Mindestlohn. Davor liegen Energie- und Rohstoffpreise mit 67 Prozent und die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen mit 58 Prozent, knapp dahinter die Inlandsnachfrage mit 54 Prozent.

Wie die Zahl zu anderen Frühindikatoren passt

Auch das ifo-Beschäftigungsbarometer beschrieb Ende Oktober eine Abbremsung beim Stellenabbau, keine Wende. Die DIHK-Daten stützen dieses Bild, haben aber eine Einschränkung: Die Befragung endete am 2. Oktober. Der Ausgang der US-Zwischenwahlen und die Tarifrunden der letzten Wochen sind darin nicht enthalten.

Was Arbeitgeber jetzt wissen sollten

  • Planung 2027 in Szenarien: Mit 1 Prozent Wachstum und einem Risiko-Mix aus Energie und Kosten liegt es nahe, Einstellungen an konkrete Auftragsschwellen zu knüpfen, statt an ein festes Budget.
  • Bewerberlage nutzen: Wo Wettbewerber zurückhaltend sind oder abbauen, kann sich die Suche nach bisher knappen Profilen leichter gestalten. Das gilt ausdrücklich nicht überall, wie Tiefbau und Transport zeigen.
  • Kostenblöcke vorab festhalten: Der Mindestlohn von 14,60 Euro ab Januar 2027 und die Beitragssätze gehören früh in die Kalkulation, auch wegen der Abstände in den Gehaltsgruppen darüber.
  • Vor dem Abbau rechnen: Wer doch reduziert, sollte die Fristen bis zur Massenentlassungsanzeige einplanen. Eine Erholung kann das Personal schneller wieder erfordern, als es sich aufbauen lässt.