Deutsche Unternehmen wollen etwas weniger Stellen abbauen als zuletzt: Das Beschäftigungsbarometer des ifo Instituts stieg im Oktober 2026 auf 95,5 Punkte, nach 95,1 Punkten im September. Das teilte das Münchner Institut am 28. Oktober mit. Getragen wird die leichte Besserung von Dienstleistern und Zeitarbeitsfirmen; in der Industrie, vor allem in der Autobranche, überwiegen dagegen weiter die Abbaupläne.
Klaus Wohlrabe, Leiter der ifo-Umfragen, fasste das Ergebnis so zusammen: „Die Unternehmen werden beim Stellenabbau etwas vorsichtiger.“ Für einen breiten Aufbau von Beschäftigung fehle dem Aufschwung aber noch die Kraft.
Lesen Sie auch Arbeitsmarkt im Oktober: Herbstbelebung bleibt schwach, mehr Menschen beziehen Arbeitslosengeld
Was misst das Barometer – und was nicht?
Das Barometer beruht auf den monatlichen ifo-Konjunkturumfragen, in denen Unternehmen ihre Personalplanung für die kommenden drei Monate angeben. Es ist damit ein Frühindikator: Es zeigt, in welche Richtung die Betriebe steuern wollen, nicht, wie viele Menschen tatsächlich eingestellt oder entlassen werden. Ein Anstieg um 0,4 Punkte bedeutet deshalb keine Trendwende, sondern zunächst, dass weniger Firmen als im Vormonat Kürzungen planen.
Das Bild passt zu anderen Frühindikatoren dieser Woche. Das IAB-Arbeitsmarktbarometer hatte sich ebenfalls aufgehellt, und das ifo-Geschäftsklima war im Oktober gestiegen. Die harte Zahl dazu liefert die Bundesagentur für Arbeit: Im September waren nach ihren Angaben 2,994 Millionen Menschen arbeitslos, die Quote lag bei 6,4 Prozent. Die Oktober-Zahlen veröffentlicht die BA auf ihrer Arbeitsmarktseite.
Welche Branchen bauen ab, welche suchen Personal?
Die Unterschiede zwischen den Wirtschaftszweigen sind größer als die Bewegung des Gesamtindex:
- Industrie: Die Lage hat sich laut ifo gegenüber September sogar leicht verschlechtert. Besonders die Autoindustrie plant weiter Personalabbau. Hersteller von Datenverarbeitungsgeräten sowie elektronischen und optischen Erzeugnissen wollen dagegen mehr einstellen. Nach ifo-Angaben hat die Industrie insgesamt zuletzt Anfang 2023 Personal aufgebaut.
- Dienstleister: Sie tendieren eher zu zusätzlichen Stellen.
- Personaldienstleister: Die Zuversicht der Zeitarbeitsfirmen steigt mit den besseren Konjunkturaussichten.
- Handel: Hier wird unverändert mit weniger Personal geplant.
- Bau: Es zeichnet sich ein leichter Stellenabbau ab.
Für die Industrie deckt sich das mit der jüngsten Umfrage von Gesamtmetall, nach der 42 Prozent der Metall- und Elektrobetriebe mit Personalabbau rechnen. Hinzu kommt die laufende Tarifrunde in der Branche, in der ab dem 1. November Warnstreiks möglich sind.
Warum die Zeitarbeit ein frühes Signal ist
Dass ausgerechnet Personaldienstleister zuversichtlicher werden, verdient Aufmerksamkeit. Unternehmen holen in einer Erholung erfahrungsgemäß zuerst flexible Kapazitäten an Bord, bevor sie unbefristet einstellen. Steigt die Nachfrage nach Leiharbeit, ist das oft der erste Schritt vor festen Einstellungen. Umgekehrt hatte eine Randstad-ifo-Befragung zuletzt gezeigt, dass Firmen stärker auf Befristungen als auf Zeitarbeit setzen. Welche der beiden Wege sich durchsetzt, dürfte sich in den kommenden Monaten an den Einsatzzahlen der Branche zeigen.
Was bedeutet das für die Personalplanung 2027?
Für die meisten Betriebe ergibt sich aus dem Barometer kein Anlass für schnelle Kurswechsel, wohl aber für eine differenzierte Planung. In Dienstleistungsbranchen, die wieder mehr Personal suchen, wird der Wettbewerb um Fachkräfte zuerst spürbar. Industriebetriebe, die weiter abbauen, konkurrieren zugleich mit Elektronik- und IT-Herstellern um dieselben Ingenieure und Techniker.
Was Arbeitgeber jetzt wissen sollten
- Frühindikatoren wie das ifo-Barometer zeigen Absichten, keine Ergebnisse. Für Budgetentscheidungen lohnt der Abgleich mit den amtlichen Zahlen der Bundesagentur für Arbeit und der eigenen Auftragslage.
- Wer Personal abbauen muss, sollte die Schwellen der Massenentlassungsanzeige nach § 17 Kündigungsschutzgesetz (KSchG) früh prüfen; Fehler im Verfahren können Kündigungen unwirksam machen.
- Bei vorübergehendem Auftragsmangel bleibt Kurzarbeit eine Alternative zum Abbau, sofern die Voraussetzungen nach dem Dritten Buch Sozialgesetzbuch (SGB III) erfüllt sind.
- Betriebe, die wieder einstellen wollen, sollten Stellen jetzt ausschreiben: Wenn mehr Branchen gleichzeitig suchen, verlängern sich die Besetzungszeiten.
- Zeitarbeit kann Spitzen abfedern, unterliegt aber der Höchstüberlassungsdauer und den Equal-Pay-Regeln des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes (AÜG).