Der ifo-Geschäftsklimaindex der deutschen Autoindustrie ist im Oktober 2026 auf -4,1 Punkte gestiegen, nach -33,2 im September, teilte das ifo Institut am 4. November mit. Am selben Tag meldete der Maschinenbauverband VDMA für September preisbereinigt 14 Prozent mehr Aufträge als ein Jahr zuvor. Für Arbeitgeber in beiden Branchen ändert das die Personalplanung vorerst kaum: Die Basiseffekte sind groß, und die Unternehmen selbst planen weiter mit weniger Beschäftigten.
Wie belastbar ist der Sprung im Autoklima?
29,1 Punkte Plus binnen eines Monats sind keine normale Bewegung. Das ifo liest sie auch nicht als Trendwende. Anita Wölfl, Branchenexpertin des Instituts, sagt: „Von Entwarnung in der Automobilindustrie kann jedoch keine Rede sein.“ Die starken Ausschläge von Monat zu Monat zeigten vielmehr die hohe Unsicherheit.
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Als möglichen Auslöser nennt das Institut die deutsch-französische Einigung auf eine gemeinsame Autostrategie. Hersteller müssen ihre CO2-Emissionen bis 2035 weiter um 90 Prozent gegenüber 2021 senken, die restlichen zehn Prozent sollen aber nicht mehr ausgeglichen werden müssen. Förderungen sollen stärker an „Made in Europe“ gekoppelt werden. Das ist ein politisches Signal, noch kein Auftrag. An der Aufgabe, technologisch aufzuholen, ändere es nichts, so Wölfl.
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Wie weit Stimmung und Personalentscheidungen auseinanderliegen, zeigt der Blick auf die Vorwoche. Im ifo-Beschäftigungsbarometer vom 28. Oktober stieg der Gesamtwert zwar leicht auf 95,5 Punkte, doch die Industrie plant weiter Personalabbau, zuletzt plante sie Anfang 2023 einen Aufbau. Für den Autobau hält das ifo ausdrücklich fest, dass weitere Stellen wegfallen sollen. Dazu passen die Ankündigungen der vergangenen Tage, darunter der Abbau von 2.660 Stellen bei Schaeffler in Deutschland und die Pläne bei BMW.
Was steckt hinter den 14 Prozent im Maschinenbau?
Der VDMA-Wert klingt stärker, als er ist. Die Inlandsbestellungen legten im September um 22 Prozent zu, die Auslandsbestellungen um 11 Prozent. Der Vergleichsmonat war allerdings schwach: Im September 2025 waren die Bestellungen um 19 Prozent gesunken, wie die WirtschaftsWoche unter Berufung auf den Verband berichtet.
Rechnet man beide Veränderungen zusammen, ergibt sich ein anderes Bild. Setzt man den September 2024 auf 100, lag der September 2025 bei 81 und der September 2026 bei rund 92. Der Auftragseingang läge damit noch immer etwa acht Prozent unter dem Stand von vor zwei Jahren. Das ist unsere Rechnung aus den veröffentlichten Prozentwerten, eine Näherung ohne Berücksichtigung späterer Revisionen.
Aussagekräftiger ist der Zeitraum Januar bis September: plus 5 Prozent insgesamt, das Inland stagniert, der Euro-Raum liegt 5 Prozent im Minus, das Nicht-Euro-Ausland 13 Prozent im Plus. Das Wachstum hängt also an wenigen Märkten. Für die Produktion erwartet der VDMA 2026 das vierte Rückgangsjahr in Folge und hofft für 2027 auf plus 3 Prozent. Chefvolkswirt Johannes Gernandt nennt die Bestellungen ermutigend, warnt aber, der Aufschwung sei noch fragil und dürfe nicht durch einen zu hohen Tarifabschluss belastet werden. Das ist ein Verbandsstandpunkt mitten in der laufenden Metall-Tarifrunde.
Woran sollten Personalplaner sich dann orientieren?
Stimmung und Auftragseingang laufen der Beschäftigung voraus, aber mit Abstand. Ein Betrieb sollte deshalb nicht auf den Branchenwert reagieren, sondern auf eigene Daten. Sinnvoll ist eine einfache Schrittfolge:
- Auftragsbestand in Wochen messen, nicht den Auftragseingang eines Monats. Einzelne Großaufträge verzerren den Eingang.
- Drei Monate gleitend vergleichen, und zwar gegen zwei Jahre zurück, nicht nur gegen den schwachen Vorjahresmonat.
- Kapazität nach Funktion trennen: Entwicklung, Fertigung und Verwaltung erholen sich unterschiedlich schnell.
- Auslöser vorher festlegen: Ab welchem Auftragsbestand werden Befristungen verlängert, ab welchem endet die Kurzarbeit, ab welchem wird neu eingestellt?
Was bedeutet das für Kurzarbeit und Abbaupläne?
Die Erholung reicht vielerorts nicht aus, um laufende Programme zu stoppen. Sie kann aber die Argumentation verändern. Wer Kurzarbeitergeld nutzt, muss weiter einen vorübergehenden Arbeitsausfall begründen können; die auf bis zu 24 Monate verlängerte Bezugsdauer gilt nach derzeitigem Stand für Ansprüche bis Ende 2026. Wer Personal abbaut, muss im Kündigungsschutzprozess darlegen können, warum der Beschäftigungsbedarf dauerhaft entfällt. Steigende Aufträge in der eigenen Sparte können diese Prognose angreifbar machen.
Was Arbeitgeber jetzt wissen sollten
- Nicht auf einen Monat reagieren: Das ifo selbst sieht keine Entwarnung und verweist auf die starken Schwankungen; ein Sprung von 29 Punkten kann im nächsten Monat wieder schrumpfen.
- Basiseffekt immer mitrechnen: Gegen einen um 19 Prozent eingebrochenen Vergleichsmonat sind 14 Prozent Plus keine Rückkehr zum alten Niveau.
- Abbauentscheidungen sauber dokumentieren: Die Prognose zum Wegfall von Arbeitsplätzen sollte aktuelle Auftragsdaten berücksichtigen. Das gilt auch für den Zeitplan bis zur Massenentlassungsanzeige.
- Schlüsselkräfte halten: Wenn die Erholung 2027 wie erhofft kommt, fehlen sie sonst genau dann. Das gilt besonders, solange andere Branchen um dieselben Fachleute werben.
- Tarifkosten einplanen, aber offen rechnen: Ein Abschluss in der Metall- und Elektroindustrie steht noch aus; Szenarien mit verschiedenen Laufzeiten sind sinnvoller als eine einzelne Annahme.