Die Engpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit (BA) ist die zentrale amtliche Auswertung dazu, in welchen Berufen in Deutschland Fachkräfte fehlen. Die BA erstellt sie einmal jährlich auf Basis eigener Arbeitsmarktdaten. Für das Jahr 2025 weist sie 157 Berufsgattungen mit Fachkräfteengpass aus, sechs weniger als im Vorjahr. Am stärksten betroffen bleiben Pflege- und Gesundheitsberufe. Das teilte die BA am 2. September 2026 mit.
Wie funktioniert die Engpassanalyse?
Die BA bewertet Berufe anhand von insgesamt 14 Indikatoren. Sechs davon entscheiden darüber, ob ein Beruf als Engpassberuf gilt:
Lesen Sie auch Kurzarbeitergeld: Voraussetzungen und Ablauf
- die mittlere Vakanzzeit, also wie lange gemeldete Stellen unbesetzt bleiben,
- die Relation von Arbeitsuchenden zu gemeldeten Stellen,
- die berufsspezifische Arbeitslosenquote,
- die Veränderung des Anteils ausländischer Beschäftigter,
- die Abgangsrate aus Arbeitslosigkeit,
- die Entwicklung der mittleren Entgelte.
Für jeden Indikator vergibt die BA null bis drei Punkte, je nachdem, wie deutlich er auf einen Engpass hinweist. Liegt der Durchschnitt der sechs Werte bei mindestens 2,0, gilt der Beruf als Engpassberuf. Werte ab 1,5 führen zur Einstufung „unter Beobachtung“. Die übrigen Indikatoren dienen dazu, künftige Risiken einzuschätzen, oder ergänzen das Bild. Bewertet werden Fachkräfte, Spezialisten und Experten, also Tätigkeiten, die mindestens eine Berufsausbildung voraussetzen. Für die Bundesländer weist die BA Ergebnisse auf Ebene der Berufsgruppen aus.
Welche Berufe sind betroffen?
Nach der BA-Mitteilung bestehen die größten Engpässe weiterhin in Pflege und Gesundheit. Knapp sind Fachkräfte zudem in Bau- und Handwerksberufen, bei Köchinnen und Köchen, Berufskraftfahrerinnen und -fahrern sowie Erzieherinnen und Erziehern. Neu oder erneut als Engpass eingestuft wurden Vermessungstechnik sowie Sozialarbeit und Sozialpädagogik. Nicht mehr als Engpassberufe gelten dagegen die spanende Metallbearbeitung, der IT-Vertrieb und die Softwareentwicklung.
Im Zeitverlauf ist die Zahl der Engpassberufe gesunken. Die BA warnt jedoch davor, daraus eine Entspannung abzuleiten: Die schwache Konjunktur dämpfe derzeit die Nachfrage, während der demografische Wandel den Fachkräftemangel langfristig verschärfe.
Warum Arbeitslose und offene Stellen nicht zusammenfinden
Im Jahresdurchschnitt 2025 waren laut BA rund 402.000 sozialversicherungspflichtige Stellen für Fachkräfte, Spezialisten und Experten gemeldet. Die Hälfte der gemeldeten Stellen entfiel nach BA-Angaben auf Engpassberufe. Zugleich suchte nur etwa jede fünfte arbeitslose Fachkraft eine Stelle in einem Engpassberuf. Die BA spricht von einem Mismatch: Qualifikation, Beruf oder Region von Angebot und Nachfrage passen häufig nicht zusammen.
Zuwanderung gewinnt an Gewicht
Ausländische Beschäftigte spielen in Engpassberufen eine wachsende Rolle. Ihr Anteil hat sich nach BA-Angaben seit 2014 von etwa 7 auf rund 14 Prozent verdoppelt. In der Pflege sank die Zahl deutscher Beschäftigter gegenüber Juni 2024 um 5.000, die Zahl ausländischer Beschäftigter stieg um 46.000. BA-Vorstandsvorsitzende Andrea Nahles bezeichnete ausländische Beschäftigte in vielen Engpassberufen schon heute als unverzichtbar und erwartet, dass Zuwanderung für den Arbeitsmarkt weiter an Bedeutung gewinnt.
Wo finden Arbeitgeber die Daten?
Die BA-Statistik veröffentlicht die Ergebnisse in einer interaktiven Webanwendung mit einer Übersicht aller Engpassberufe, Zeitreihen und Auswertungen für die Bundesländer. Ein Methodenbericht erläutert die Berechnung. Die BA weist selbst auf Grenzen hin: Die Vakanzzeit wird über die Abmeldung einer Stelle angenähert, und eine hohe Abgangsrate aus Arbeitslosigkeit kann auch saisonale Schwankungen widerspiegeln.
Was Arbeitgeber jetzt wissen sollten
- Die Engpassanalyse eignet sich als Frühwarnsystem für die Personalplanung, insbesondere mit Blick auf die Länderauswertung und die Risikoindikatoren.
- In Engpassberufen ist mit längeren Besetzungszeiten zu rechnen; Ausbildung und Nachwuchsgewinnung sollten frühzeitig geplant werden.
- Weiterbildung und Umschulung eigener Beschäftigter können Lücken schließen; die BA fördert dies unter bestimmten Voraussetzungen.
- Die Gewinnung internationaler Fachkräfte wird in vielen Engpassberufen wichtiger und erfordert Vorlauf, etwa für Anerkennungsverfahren.
- Ein Beruf, der aus der Engpassliste fällt, ist nicht automatisch leicht zu besetzen; regionale Unterschiede bleiben erheblich.