Seit Montag, dem 2. November 2026, weitet die IG Metall ihre Warnstreiks in der Metall- und Elektroindustrie aus; die Tarifrunde betrifft rund 3,7 Millionen Beschäftigte. Gesamtmetall reagierte mit scharfer Kritik. Für Betriebe zählt jetzt vor allem die Budgetfrage: Bei einem Jahresentgelt von 60.000 Euro kostet das Arbeitgeberangebot über 26 Monate nach unserer Rechnung 990 Euro brutto, die Forderung in ihren zwölf Monaten 3.000 Euro.
Was hat sich seit dem Wochenende geändert?
Nach den ersten Aktionen in der Nacht zum Sonntag, über die wir im Überblick zum Warnstreikstart berichtet haben, erfasst die Welle mit Wochenbeginn weitere Betriebe, wie die Tagesschau meldet. Gesamtmetall-Hauptgeschäftsführer Oliver Zander hielt der Gewerkschaft gegenüber T-Online vor, sie richte aus organisationspolitischen Gründen Schaden an: „Die Strukturprobleme des Standortes lassen sich nicht wegstreiken.“ In der Branche gingen seinen Angaben zufolge monatlich rund 10.000 Stellen verloren. Zugleich zeigte er sich zuversichtlich, dass am Ende ein Kompromiss steht. IG-Metall-Chefin Christiane Benner hatte das Angebot als Auslöser für „Unverständnis und Wut“ in den Betrieben bezeichnet.
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Was liegt auf dem Tisch?
- IG Metall: 5 Prozent mehr Entgelt bei zwölf Monaten Laufzeit, dazu tariflich abgesicherte Zusagen zu Standorten und Arbeitsplätzen.
- Arbeitgeber: 26 Monate Laufzeit, im Juli 2027 eine Einmalzahlung von 1 Prozent des durchschnittlichen tariflichen Jahresentgelts, 1,3 Prozent tabellenwirksam ab Juli 2028. In Betrieben mit geringer Rendite soll sich die Einmalzahlung verschieben oder streichen lassen; als Schwelle wurde eine Nettoumsatzrendite von 2,3 Prozent genannt.
Was bedeutet das in Euro?
Die folgende Rechnung ist ein Modell der Redaktion. Es unterstellt 60.000 Euro Jahresentgelt, einen Start der Forderung im November 2026 und einen Arbeitgeberanteil zur Sozialversicherung von rund 21,4 Prozent, also die Hälfte des aktuell genannten Gesamtbeitrags von 42,8 Prozent:
- Angebot über 26 Monate: 600 Euro Einmalzahlung plus 6 Monate mit je 65 Euro mehr, zusammen 990 Euro brutto, mit Arbeitgeberanteil rund 1.200 Euro. Auf das Jahr gerechnet sind das etwa 0,8 Prozent.
- Forderung über 12 Monate: 250 Euro mehr im Monat, zusammen 3.000 Euro brutto, mit Arbeitgeberanteil rund 3.640 Euro.
- Faustwert für die Planung: Jeder tabellenwirksame Prozentpunkt kostet in diesem Modell rund 730 Euro je Kopf und Jahr, bei 100 Beschäftigten also rund 73.000 Euro.
Für die Einordnung taugt die letzte Runde: Der Pilotabschluss vom November 2024 brachte 5,1 Prozent in zwei Stufen und 600 Euro Einmalzahlung. Dass sich Tarifpartner in der Mitte ihrer Ausgangspositionen treffen, ist aber keine Regel, und eine Prognose lässt sich aus dem Vergleich nicht ableiten. Neben der Höhe dürften Laufzeit und betriebliche Öffnungen entscheiden, was ein Abschluss tatsächlich kostet.
Warum ist die Renditeschwelle so wichtig?
Die vorgeschlagene Öffnung würde Betriebe unterschiedlich treffen. Wer knapp über 2,3 Prozent Nettoumsatzrendite liegt, müsste die Einmalzahlung voll leisten; wer darunter liegt, könnte sie im Modell oben von 600 Euro je Kopf auf null senken. Ob die Regelung so kommt, ist offen. Sinnvoll ist aber, die eigene Rendite nach der wahrscheinlich maßgeblichen Definition schon jetzt zu berechnen.
Was Arbeitgeber jetzt wissen sollten
- Budget in Varianten rechnen: Für 2027 bieten sich mindestens drei Szenarien an, etwa 1, 2 und 3 Prozent tabellenwirksam. Die Inflationsrate von zuletzt 2,8 Prozent spielt dabei für die Verhandlungslogik eine Rolle.
- Auch ohne Tarifbindung mitrechnen: Tarifabschlüsse in der Leitbranche prägen oft die Gehaltserwartungen auch in nicht tarifgebundenen Betrieben und bei Zulieferern.
- Arbeitskampfkosten getrennt erfassen: Ausfälle durch Warnstreiks gehören nicht in das Tarifbudget. Was im Betrieb erlaubt ist, steht in unserem Überblick zu den Regeln im Warnstreik.
- Termine beim Verband abfragen: Die dritte Verhandlungsrunde findet bezirksweise statt. Verbindliche Daten und Streikaufrufe für die eigene Region erhalten Mitgliedsbetriebe am schnellsten über ihren Arbeitgeberverband.