Der Arbeitgeberverband AGV Banken hat Verdi am 2. November 2026 in Frankfurt am Main ein erstes Angebot für die rund 150.000 Beschäftigten der privaten Banken vorgelegt: insgesamt 4,2 Prozent mehr Gehalt in zwei Stufen, die erste ab Mitte 2027, bei 36 Monaten Laufzeit. Verdi verlangt 6 Prozent auf zwölf Monate. Weiter verhandelt wird am 23. November in Berlin. Für Personalabteilungen entscheidet sich die Runde weniger am Prozentsatz als an Laufzeit und Nullmonaten.

Wie viel sind 4,2 Prozent auf 36 Monate wert?

Linear auf die Laufzeit verteilt ergibt das Angebot nach unserer Rechnung 1,4 Prozent pro Jahr. Der vorige Abschluss brachte laut Verdi 10,5 Prozent in drei Stufen über 28 Monate, umgerechnet rund 4,5 Prozent pro Jahr; die letzte Stufe von 2,0 Prozent griff zum 1. Juli 2026. Darauf stützt sich die Arbeitgeberseite: Verhandlungsführer Thomas A. Lange nennt die Offerte „ein faires Angebot“ und verweist darauf, dass die letzte Erhöhung erst vier Monate zurückliege.

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Zum Vergleich: Die Inflation lag im Oktober bei 2,8 Prozent, und Unternehmen planen für 2027 im Schnitt mit Budgets von 2,6 Prozent. Das Angebot liegt damit deutlich unter beiden Werten, sofern man es gleichmäßig über die Laufzeit verteilt.

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Was das bei 5.000 Euro Monatsgehalt bedeutet

Eine Beispielrechnung für ein frei gewähltes Tarifgehalt von 5.000 Euro brutto, gerechnet ab Oktober 2026, weil der bisherige Vertrag Ende September auslief. Den genauen Beginn der neuen Laufzeit und die Aufteilung der beiden Stufen nennen die Berichte nicht; die hälftige Teilung ist unsere Annahme.

  • Verdi-Forderung: 6 Prozent sind 300 Euro im Monat, in zwölf Monaten 3.600 Euro brutto, sofern die Erhöhung sofort greift.
  • Angebot im ersten Vertragsjahr: rund neun Monate ohne Erhöhung, dann bei 2,1 Prozent 105 Euro im Monat. Bis September 2027 wären das etwa 315 Euro.
  • Angebot am Laufzeitende: 210 Euro im Monat. Wann dieser Stand erreicht wird, hängt von der noch nicht bekannten zweiten Stufe ab.

Hinzu kommen jeweils die Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung, unterhalb der Beitragsbemessungsgrenzen grob ein Fünftel der Erhöhung.

Warum die Nebenforderungen teurer werden können

Die Arbeitgeber lehnten laut WirtschaftsWoche auch mehr Umwandlung von Gehalt in Freizeit, einen erweiterten Kündigungsschutz und zusätzliche Regeln zur Einführung von KI ab. Verdi will nach eigener Darstellung verbindliche Regeln zu Beschäftigungssicherung, Personalplanung und Qualifizierung beim KI-Einsatz, die unbefristete Vollzeitübernahme von Auszubildenden, 300 Euro monatlich mehr für Nachwuchskräfte und bis zu 20 zusätzliche freie Tage pro Jahr durch freiwillige Umwandlung. Die Erhöhung soll zudem für außertariflich Bezahlte gelten.

Die freien Tage sind für die Personalplanung der heikelste Punkt: Das Entgelt sinkt zwar, aber die Arbeitszeit muss in Filialen und Fachbereichen aufgefangen werden. Bei KI ist der Abstand kleiner, als der Streit vermuten lässt. Auch ohne Tarifregel bestimmt ein vorhandener Betriebsrat bei technischen Systemen mit, die Verhalten oder Leistung überwachen können, nach § 87 Abs. 1 Nr. 6 Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG).

Lange Laufzeiten gegen Zugeständnisse sind in diesem Herbst kein Einzelfall: Bei Condor tauschen Piloten Nullrunden gegen Kündigungsschutz bis 2029. Ein ähnlicher Tausch läge auch hier nahe, wird von den Arbeitgebern bisher aber abgelehnt. Verdi-Verhandlungsleiter Jan Duscheck sagte, die Beschäftigten seien „nicht bereit, sich länger hinhalten zu lassen“. Weitere Warnstreiks vor dem 23. November sind deshalb nicht auszuschließen.

Was Arbeitgeber jetzt wissen sollten

  • Budget in Szenarien planen: Für tarifgebundene Häuser bietet sich für 2027 eine Spanne zwischen Angebot und Forderung an. Abschlüsse liegen häufig dazwischen, belastbar ist aber erst das Ergebnis.
  • Außertarifliche prüfen: Klären, ob Verträge eine Anbindung an Tariferhöhungen enthalten, bevor die Forderung für außertariflich Bezahlte relevant wird.
  • Streikfall vorbereiten: Filialbesetzung, Notdienste und Kundeninformation festlegen; die Regeln für Arbeitgeber im Warnstreik gelten branchenübergreifend.
  • Andere Branchen: Das Angebot ist kein Maßstab für eigene Gehaltsrunden, zeigt aber, dass Arbeitgeber auf lange Laufzeiten setzen. Der Vergleich mit dem Stand der Stahl-Tarifrunde lohnt.