Die Verbraucherpreise in Deutschland lagen im Oktober 2026 um 2,8 Prozent über dem Vorjahresmonat. Das teilte das Statistische Bundesamt (Destatis) am 30. Oktober nach vorläufigen Zahlen mit. Im September hatte die Inflationsrate noch bei 3,3 Prozent gelegen. Gegenüber dem Vormonat sanken die Preise um 0,2 Prozent. Die Kerninflation ohne Nahrungsmittel und Energie ging von 2,4 auf 2,1 Prozent zurück. Endgültige Werte will Destatis am 11. November veröffentlichen.
Woher kommt der Rückgang?
Treiber war vor allem die Energie. Sie verteuerte sich im Oktober um 12,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr, nach 14,9 Prozent im September. Seit Anfang Oktober gilt ein befristeter Tankrabatt: Die Energiesteuer auf Benzin und Diesel ist für die Monate Oktober bis Dezember 2026 um 14,04 Cent je Liter gesenkt, wie unter anderem das Portal Cash berichtete. Ökonomen wie Berenberg-Chefvolkswirt Holger Schmieding hatten vorab geschätzt, dass der Rabatt die Oktober-Inflation um rund 0,3 Prozentpunkte dämpft.
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Bei den Waren insgesamt fiel die Teuerungsrate von 3,8 auf 3,0 Prozent. Dienstleistungen verteuerten sich um 2,5 Prozent, Nahrungsmittel nur um 0,4 Prozent.
Warum ist die Zahl für Gehaltsverhandlungen nur eingeschränkt brauchbar?
Weil der Rabatt Ende Dezember ausläuft. Fällt die Steuersenkung weg, steigen die Spritpreise wieder, und der dämpfende Effekt kehrt sich in den Folgemonaten um. Wer die 2,8 Prozent als Argument in Gehaltsgesprächen nutzt, stützt sich auf eine politisch beeinflusste Momentaufnahme. Aussagekräftiger für die mittelfristige Kostenentwicklung ist die Kerninflation, die Energie und Lebensmittel ausklammert. Sie liegt mit 2,1 Prozent spürbar niedriger als die Gesamtrate und ist seit Juli von 2,4 Prozent gesunken – das spricht für einen echten, wenn auch langsamen Rückgang des Preisdrucks.
Für Beschäftigte zählt dagegen die Gesamtrate, weil sie Energie und Mobilität im Alltag spüren. Diese Lücke zwischen Kern- und Gesamtinflation dürfte in den kommenden Gehaltsgesprächen eine Rolle spielen.
Was bedeutet das für die Budgets 2027?
Die Unternehmensberatung Kienbaum hat für 2027 eine durchschnittliche Gehaltserhöhung von 2,6 Prozent ermittelt, bei einer angenommenen Inflation von 2,3 Prozent – wir haben über die Gehaltsprognosen für 2027 berichtet. Eine einfache Rechnung zeigt den engen Spielraum:
- Bei einer Erhöhung um 2,6 Prozent und einer Inflation von 2,8 Prozent – dem aktuellen Oktoberwert – verlieren Beschäftigte real rund 0,2 Prozent Kaufkraft.
- Gemessen an der Kerninflation von 2,1 Prozent bliebe ein reales Plus von rund 0,5 Prozent.
- Für ein Monatsgehalt von 4.000 Euro brutto entspricht eine Erhöhung um 2,6 Prozent 104 Euro; um die aktuelle Gesamtinflation auszugleichen, wären 112 Euro nötig.
Die Unterschiede klingen klein, prägen aber die Wahrnehmung in der Belegschaft. In tarifgebundenen Branchen läuft die Debatte bereits: In der Metall- und Elektroindustrie haben die Arbeitgeber eine Einmalzahlung 2027 und eine Tabellenerhöhung von 1,3 Prozent erst zum Juli 2028 angeboten, die IG Metall fordert fünf Prozent für zwölf Monate. Die Details stehen in unserem Bericht zur Metall-Tarifrunde.
Was Arbeitgeber jetzt wissen sollten
- Mit der richtigen Kennziffer planen: Für Budgetannahmen eignet sich die Kerninflation besser als der Oktoberwert, der durch den Tankrabatt nach unten verzerrt ist. Ab Januar ist mit einem Wiederanstieg der Gesamtrate zu rechnen, wenn der Rabatt ausläuft.
- Kommunikation vorbereiten: Wer 2027 unterhalb der Gesamtinflation erhöht, sollte die Gründe – Auftragslage, Tarifabschlüsse, Zusatzleistungen – offen darlegen. Pauschale Verweise auf „sinkende Inflation“ werden nach dem Rabatt-Ende wenig überzeugen.
- Steuerfreie Bausteine prüfen: Sachbezüge bis 50 Euro im Monat oder ein steuerfreies Jobticket können den Netto-Effekt einer moderaten Erhöhung verbessern, siehe unseren Überblick zur 50-Euro-Sachbezugsfreigrenze.
- Endgültige Zahl abwarten: Die vorläufige Rate kann sich bis zur Veröffentlichung am 11. November noch leicht ändern. Die Daten veröffentlicht das Statistische Bundesamt.