Die Tarifkommission der IG Metall hat am Montag, dem 2. November 2026, beschlossen, für die nordwestdeutsche Stahlindustrie 5 Prozent mehr Geld zu fordern. Betroffen sind laut dpa rund 60.000 Beschäftigte in Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen, Bremen und Hessen, darunter die Duisburger Stahlsparte von Thyssenkrupp und Salzgitter. Nach unserer Modellrechnung entspräche die Forderung bei 60.000 Euro Jahresentgelt rund 3.650 Euro Mehrkosten je Kopf und Jahr.

Welche Termine gelten für die Betriebe?

Der laufende Tarifvertrag endet zum Jahresende. Die Verhandlungen sollen nach Angaben der IG Metall im Dezember beginnen, die Friedenspflicht läuft für den Nordwesten und den Osten am 31. Dezember aus. Anders als in der Metall- und Elektroindustrie, wo die Warnstreiks bereits ausgeweitet werden, bleibt der Stahlbranche also knapp zwei Monate Vorlauf.

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Die Stahlfirmen im Saarland und in Ostdeutschland fallen nicht unter den Beschluss, weil für sie eigene Tarifverträge gelten. Wer an mehreren Standorten produziert, sollte die Gebiete getrennt planen. Eine Laufzeit nannten die von uns gelesenen Berichte nicht, eine Stellungnahme der Arbeitgeberseite zur Forderung lag uns bei Redaktionsschluss nicht vor.

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Was würde die Forderung je Kopf kosten?

Zum Vergleich dient der letzte Abschluss: 15 Monate Laufzeit, davon drei Nullmonate, danach 1,75 Prozent. Über die gesamte Laufzeit gerechnet ergibt das nach unserer Rechnung im Schnitt nur 1,4 Prozent. Für die Budgetplanung zeigt sich der Abstand so (eigene Modellrechnung; Jahresentgelt 60.000 Euro, Arbeitgeberanteil zur Sozialversicherung pauschal rund 21,7 Prozent, keine amtlichen Branchenwerte):

  • Letzte Erhöhung (1,75 Prozent): 1.050 Euro brutto im Jahr, mit Arbeitgeberanteil rund 1.280 Euro.
  • Forderung (5 Prozent): 3.000 Euro brutto im Jahr, mit Arbeitgeberanteil rund 3.650 Euro.
  • Betrieb mit 500 Beschäftigten: rund 1,8 Millionen Euro im Jahr, sollte die Forderung voll durchkommen.
  • Jeder Nullmonat: spart bei 5 Prozent rund 300 Euro je Kopf.

Die letzte Zeile ist der Hebel, den viele Budgets unterschätzen: Laufzeit und Nullmonate verschieben die Kosten oft stärker, als es die Prozentzahl in der Schlagzeile vermuten lässt. Forderung und Abschluss liegen in Tarifrunden zudem meist auseinander; eine belastbare Prognose gibt es nicht. Sinnvoll sind daher mehrere Szenarien statt einer einzelnen Zahl.

Wie begründen beide Seiten ihre Position?

Verhandlungsführer Knut Giesler nannte die Forderung „maßvoll, nachvollziehbar und gerecht“ und verwies auf die Belastungen der Belegschaften beim Umbau der Branche. Die IG Metall führt Anzeichen einer Erholung an: Die Auftragseingänge stiegen im ersten Quartal um 4,2 Prozent, die Produktion um 3,7 Prozent, die Rohstahlerzeugung lag von Januar bis August 6,3 Prozent über dem Vorjahr. Das sind Angaben der Gewerkschaft, die wir nicht an einer amtlichen Statistik geprüft haben.

Die Arbeitgeber verweisen laut IG Metall auf hohe Energiekosten, schwache Industriekonjunktur, Stahlimporte und internationalen Wettbewerb. Die Gewerkschaft hält dagegen, der Importdruck erkläre die Lage nur zum Teil; ebenso wichtig sei die schwache Nachfrage aus Autoindustrie und Maschinenbau. Für die Beschäftigung ist das keine akademische Frage, wie der Abbau von 11.000 Stellen bei Thyssenkrupp Steel zeigt: Lohnrunde und Restrukturierung laufen dort parallel.

Was Arbeitgeber jetzt wissen sollten

  • Budget 2027 in Szenarien rechnen: etwa mit unterschiedlichen Prozentsätzen, Laufzeiten und Nullmonaten, jeweils einschließlich Arbeitgeberanteil.
  • Tarifbindung prüfen: Nicht tarifgebundene Betriebe mit Verweisklauseln im Arbeitsvertrag können mittelbar betroffen sein. Das sollte im Einzelfall geklärt werden.
  • Abnehmer im Blick behalten: Wer Stahl aus dem Tarifgebiet bezieht, sollte für Januar klären, welche Lieferungen kritisch wären. Vor dem 1. Januar sind im Nordwesten wegen der Friedenspflicht keine Warnstreiks zu erwarten.
  • Arbeitskampf-Regeln bereithalten: Die Grundsätze aus unserem Überblick zum Warnstreik im Betrieb lassen sich auf die Stahlrunde übertragen, sofern die jeweiligen Tarifverträge nichts anderes regeln.
  • Kommunikation vorbereiten: Wo gleichzeitig Stellen abgebaut werden, fragen Beschäftigte früh nach dem Zusammenhang mit der Lohnrunde. Antworten sollten mit Betriebsrat und Rechtsberatung abgestimmt sein.