Die Arbeitsgerichte in Baden-Württemberg erwarten für 2026 rund 47.400 neue Klagen, etwa 39 Prozent mehr als 2023. Das berichten Medien unter Berufung auf das Landesarbeitsgericht. Dessen Präsidentin Betina Rieker nennt als einen Faktor Klageschriften, die mit KI erstellt und dadurch oft aufgebläht seien. Arbeitgeber trifft das nicht nur im Südwesten als Frage der Prozessführung: Je länger ein Kündigungsstreit dauert, desto höher kann die Nachzahlung ausfallen, wenn er verloren geht.

Wie stark sind die Eingänge gestiegen?

Die veröffentlichten Zahlen zeigen einen gleichmäßigen Anstieg: 34.211 Klagen im Jahr 2023, 38.019 im Jahr 2024, 42.395 im Jahr 2025 und eine Prognose von 47.401 für 2026. Nach unserer Rechnung sind das in drei Jahren 13.190 Verfahren mehr, jedes Jahr rund elf bis zwölf Prozent. Die amtliche Statistik selbst konnten wir nicht einsehen; die Werte stammen aus Berichten vom 28. Oktober und 3. November 2026.

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Die Ursache allein bei der KI zu suchen, greift zu kurz. Die Gerichte verweisen auch auf die schwache Wirtschaftslage, im Südwesten besonders bei den Autozulieferern. Wie groß der KI-Anteil ist, lässt sich laut den Berichten statistisch nicht beziffern. Parallel berichten auch andere Gerichtsbarkeiten im Land von dem Problem: Das Landessozialgericht führt stark gestiegene Eilverfahren auf KI-Klageschriften zurück, wie der Staatsanzeiger im August meldete. Dort wie vor dem Arbeitsgericht gibt es in der ersten Instanz keinen Anwaltszwang.

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Warum Wartezeit für Arbeitgeber Geld bedeutet

Kündigungsverfahren sind nach § 61a Arbeitsgerichtsgesetz (ArbGG) vorrangig zu erledigen, die Güteverhandlung soll binnen zwei Wochen nach Klageerhebung stattfinden. Scheitert sie, folgt der Kammertermin. Darauf warten Parteien laut den Berichten im Land teils bis zu sechs Monate, in Mannheim nach Angaben eines Gerichtssprechers bis zu acht.

Das schlägt auf den Annahmeverzugslohn durch. Verliert der Arbeitgeber den Prozess, schuldet er grundsätzlich das Gehalt für die Zeit nach Ablauf der Kündigungsfrist (§ 615 Bürgerliches Gesetzbuch, BGB), abzüglich dessen, was anzurechnen ist (§ 11 Kündigungsschutzgesetz, KSchG). Ein vereinfachtes Beispiel, das nur die Wartezeit auf den Kammertermin betrachtet: Bei 4.500 Euro Bruttogehalt stehen sechs Monate für 27.000 Euro, acht Monate für 36.000 Euro, jeweils vor Anrechnung. Zwei Monate Verzögerung bedeuten also bis zu 9.000 Euro zusätzliches Risiko je Fall. Hinzu kommt, dass in der ersten Instanz jede Seite ihre Anwaltskosten selbst trägt, auch im Fall des Obsiegens (§ 12a ArbGG).

Was tun, wenn die Klage aus der KI kommt?

Für Personalabteilungen heißt das: mehr Seiten, aber nicht unbedingt mehr Substanz. Gerichte berichten von falsch wiedergegebenen und erfundenen Entscheidungen. Wer darauf erwidert, sollte zitierte Urteile prüfen lassen und Fehler sachlich benennen, statt jede Passage einzeln zu beantworten. Das gilt auch umgekehrt. Das Bundesarbeitsgericht hat am 30. September 2026 (2 AZN 339/26) eine Beschwerde wegen erfundener Fundstellen verworfen, weil der Anwalt den KI-Text nicht selbst geprüft hatte. Dort galt allerdings Vertretungszwang; das lässt sich nicht einfach auf die erste Instanz übertragen, in der sich Beschäftigte selbst vertreten dürfen.

Rieker empfiehlt Klagewilligen laut den Berichten die Rechtsantragstellen der Arbeitsgerichte statt eines Chatbots. Politisch diskutiert werden Längengrenzen für Schriftsätze und eine Kennzeichnungspflicht; beschlossen ist für die Arbeitsgerichtsbarkeit bislang nichts davon, soweit aus den vorliegenden Quellen ersichtlich.

Was Arbeitgeber jetzt wissen sollten

  • Verfahrensdauer einkalkulieren: Es kann sinnvoll sein, das Annahmeverzugsrisiko je nach Gerichtsbezirk mit realistischer Wartezeit zu rechnen, nicht mit dem Idealablauf.
  • Einigung früh prüfen: Gerade die Güteverhandlung gewinnt an Gewicht, wenn der Kammertermin Monate entfernt ist. Eine gut vorbereitete einvernehmliche Lösung kann schon vor der Klage günstiger sein.
  • Kündigungen sauber dokumentieren: Eine sorgfältige Vorbereitung der Kündigung ist die beste Antwort auf lange Klageschriften, weil sie den Streit auf die entscheidenden Punkte begrenzt.
  • Eigenen KI-Einsatz regeln: Wer Schriftsätze oder Stellungnahmen mit KI vorbereitet, sollte Zitate prüfen lassen und dies in einer internen KI-Richtlinie festhalten; vertrauliche Personaldaten gehören nicht ungeprüft in externe Werkzeuge.