Audi-Chef Gernot Döllner hat am 24. Oktober 2026 bei einer Wahlkampfveranstaltung der Republikaner in Georgia gemeinsam mit US-Präsident Donald Trump das erste US-Werk der Marke angekündigt. Das Werk soll bei Macon entstehen, laut Trump fließen 4,2 Milliarden Dollar hinein. Geld an Trump ist dabei nicht geflossen, auch wenn Beiträge in sozialen Netzen das so darstellen. Die Empörung in Deutschland richtet sich gegen den Auftritt: Nach Angaben von Betriebsrat und IG Metall verstieß er gegen Audis eigene Regeln zur politischen Neutralität. Für Arbeitgeber ist das der eigentlich lehrreiche Teil.
Was genau ist passiert?
Laut ZDFheute soll der Bau im kommenden Jahr beginnen. Ab Anfang der 2030er-Jahre könnten dort bis zu 4.500 Beschäftigte jährlich bis zu 200.000 SUVs der Modelle Q7, Q8 und Q9 bauen. Eine endgültige Entscheidung gibt es noch nicht, die Gremien und der VW-Aufsichtsrat müssen zustimmen. Die wirtschaftlichen Folgen für die deutschen Standorte haben wir gesondert eingeordnet.
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Kleben Audi-Fahrer jetzt Protest-Aufkleber auf ihre Autos?
Belegen lässt sich das nicht. Der Schweizer Autoportal-Kolumnist Pentti Aellig berichtet zwar von verärgerten Kunden. So drohten etwa Leser des „Blick“, sich von der Marke abzuwenden. Dass bald Fahrer mit Spott-Aufklebern unterwegs sein könnten, vermutet er aber nur. Eine Welle wie bei Tesla nach dem politischen Engagement von Elon Musk ist bislang nicht dokumentiert. Die Fachfrau für Automobilwirtschaft Helena Beron Wisbert erwartet laut ZDFheute nur einen kurzen Schaden beim Ruf der Marke unter Kunden. Für die Belegschaft in Europa nennt sie das Signal dagegen fatal.
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Warum ist der Auftritt intern so heikel?
Audi hat im April 2026 Verhaltensgrundsätze veröffentlicht. Darin steht, dass es drei Monate vor Wahlen keine öffentlichkeitswirksamen Termine mit Parteien oder Politikern gibt, die zur Wahl stehen. Laut Tagesspiegel hat Döllner den Kodex selbst unterschrieben. Die Kongresswahlen sind am 3. November.
VW-Konzernbetriebsratschefin Daniela Cavallo warf Döllner „aktive Wahlkampfhilfe“ vor. IG-Metall-Chefin Christiane Benner sprach von einem eklatanten Verstoß gegen die Unternehmensregeln. Laut ORF unter Berufung auf einen Insider stand der Termin bereits fest, als das Präsidium des Aufsichtsrats davon erfuhr. Döllner verteidigte sich in einem Schreiben an die Beschäftigten: Man sei gebeten worden, die Pläne mit dem Präsidenten vorzustellen, und habe allein im Interesse des Unternehmens gehandelt. Er räumte ein, der Auftritt habe Unverständnis ausgelöst.
Was Arbeitgeber jetzt wissen sollten
Der Fall betrifft einen Konzern, die Fragen stellen sich aber auch im Mittelstand. Etwa wenn bei einer Werkseröffnung oder einem Spatenstich Abgeordnete im Wahlkampf mit auf dem Podium stehen.
- Regel gilt für alle: Ein Neutralitätsgebot im Kodex verliert intern an Wert, wenn es für die Geschäftsführung nicht gilt. Wer Beschäftigte daran misst, sollte Ausnahmen für die Spitze schriftlich regeln oder ausschließen.
- Ablauf festlegen: Klären Sie vorher, wer Auftritte mit Politikern vor Wahlen freigibt und welche Gremien man informiert. Vertraulichkeit war bei Audi die Begründung dafür, dass man nicht vorab informieren konnte.
- Rechtslage kennen: Nach § 74 Absatz 2 Satz 3 Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG) haben sich Arbeitgeber und Betriebsrat im Betrieb jeder parteipolitischen Betätigung zu enthalten. Für Auftritte außerhalb des Betriebs gilt das nicht unmittelbar. Ein selbst gesetzter Kodex kann aber strenger sein.
- Belegschaft zuerst: Döllner wandte sich erst nachträglich intern an die Mitarbeiter. Fallen Auslandsinvestitionen und Sparpläne im Inland zusammen, sollten Beschäftigte und Betriebsrat solche Nachrichten nicht aus den Medien erfahren.
- Kunden und Mitarbeiter getrennt betrachten: Die Einschätzung von Beron Wisbert legt nahe, dass der Schaden für die Arbeitgebermarke länger halten kann als der bei Kunden. Bindung und Rekrutierung leiden oft länger als der Absatz.