Audi will für rund 4 Milliarden US-Dollar sein erstes Werk in den USA bauen. Angekündigt wurde das am 24. Oktober 2026 im Bundesstaat Georgia, und zwar gemeinsam mit US-Präsident Donald Trump auf einer Wahlkampfveranstaltung der Republikaner. Nach Angaben des Unternehmens sollen dort bis zu 200.000 große SUVs im Jahr gebaut werden und rund 4.500 Arbeitsplätze entstehen. Für Deutschland stellt sich damit die Frage, was das für Standorte, Zulieferer und Beschäftigte heißt, die schon unter hohen US-Zöllen und unausgelasteten Werken leiden. Endgültig beschlossen ist das Werk noch nicht: Die Gremien von Volkswagen und der VW-Aufsichtsrat müssen zustimmen.

Was genau plant Audi in Georgia?

Laut Pressemitteilung von Audi soll der Bau 2027 beginnen und die Produktion Anfang der 2030er-Jahre starten. Das Büro von Gouverneur Brian Kemp nennt 2031 als Jahr der vollen Produktion. Der Standort ist die Middle Georgia Megasite nahe Macon. Laut Reuters, zitiert von ZDFheute, sollen dort die Modelle Q7, Q8 und Q9 vom Band laufen. Nordamerika soll so neben Europa und China zur dritten großen Säule im Produktionsnetz von Audi werden.

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Welche Rolle spielen Trumps Zölle?

Eine große. Bisher liefert Audi jedes Auto für den US-Markt aus Europa oder Mexiko. Wie ZDFheute berichtet, haben die US-Zölle den Konzern 2025 rund 1,2 Milliarden Euro gekostet, während der Absatz in den USA um 16 Prozent zurückging. Für Einfuhren aus Europa gilt derzeit ein Zollsatz von 15 Prozent. Laut Insidern, die Reuters zitiert, hat Washington Audi für das Werk einen effektiven Satz von 10 Prozent zugesagt. Unklar ist nach dem Bericht vom 30. Oktober 2026, ob dieser Satz für alle Importe gilt und ab wann. Ein Rechenbeispiel zeigt die Größenordnung: Bei einem Einfuhrwert von 80.000 Dollar pro Fahrzeug würde die Zollschuld von 12.000 auf 8.000 Dollar sinken. In einer Mitteilung schreibt Audi außerdem, das US-Geschäft sei derzeit nicht profitabel.

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Was bedeutet das für die deutschen Standorte?

Direkt verlagert wird zunächst nichts aus Deutschland. Q7 und Q8 werden heute in Bratislava gebaut, von dort gehen laut ZDFheute knapp 30.000 Autos im Jahr über den Atlantik. Kritiker warnen jedoch vor einer Kettenreaktion: Wenn in der Slowakei Kapazität frei wird, könnten Modelle aus Deutschland dorthin wandern. Das würde Werke wie Neckarsulm treffen, die schon jetzt schlecht ausgelastet sind. Audi bezeichnet das US-Werk als „keine Entscheidung gegen Deutschland“. Deutschland und Europa sollen das industrielle Rückgrat bleiben.

Den Rahmen für die Beschäftigten bildet die Zukunftsvereinbarung vom März 2025. Danach sollen bis Ende 2029 bis zu 7.500 Stellen in den indirekten Bereichen wegfallen. Im Gegenzug sind betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2033 ausgeschlossen. IG-Metall-Chefin Christiane Benner forderte eine „sichere Perspektive für die Beschäftigten in den hiesigen Werken“.

Warum ist der Auftritt mit Trump ein Thema für die Unternehmensführung?

Nach einem Bericht von ZDFheute untersagen die Audi-Verhaltensgrundsätze vom April 2026 öffentlichkeitswirksame Termine mit Kandidaten in den drei Monaten vor einer Wahl. Die US-Kongresswahlen finden am 3. November statt. VW-Betriebsratschefin Daniela Cavallo sprach von „aktiver Wahlkampfhilfe“. In einer Stellungnahme erklärt Audi, man sei um die gemeinsame Präsentation gebeten worden und habe die Einladung ausschließlich im Interesse des Unternehmens angenommen.

Was Arbeitgeber jetzt wissen sollten

  • Zulieferer: Wer heute Teile für Q7 und Q8 nach Bratislava liefert, sollte bereits mit Blick auf Anfang der 2030er-Jahre klären, ob er künftig in den USA liefern muss. Eigene Standorte oder Partner dort brauchen Vorlauf.
  • Mitbestimmung: Betriebe mit mehr als 100 Beschäftigten müssen den Wirtschaftsausschuss nach § 106 Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG) rechtzeitig über Investitions- und Verlagerungspläne unterrichten. Wer früh informiert, vermeidet Konflikte, wie sie bei Audi jetzt öffentlich ausgetragen werden.
  • Politische Neutralität: Eigene Verhaltensregeln für Auftritte mit Politikern sollten die Unternehmensspitze ausdrücklich einschließen und auch für Wahlen im Ausland gelten.
  • Personalplanung: Eine Beschäftigungssicherung schützt vor betriebsbedingten Kündigungen, nicht vor der Verlagerung von Produkten. Mögliche Alternativen zeigt der Fall Audi verleiht Fachkräfte an Rüstungsfirmen. Wie die Lage in der Branche insgesamt ist, beschreibt die Gesamtmetall-Umfrage zum Personalabbau.