Die Zufriedenheit der Beschäftigten in Deutschland mit ihrem Arbeitgeber ist zum dritten Mal in Folge gesunken. Nur noch 52,1 Prozent der Bewertungen auf der Plattform Kununu vergeben vier oder fünf von fünf Sternen, 2023 waren es noch 56,3 Prozent. Das zeigt der Kununu-Zufriedenheitsatlas 2026. Eine Sonderauswertung für das Personalwesen, über die das Fachmagazin Personalwirtschaft am 27. Oktober 2026 berichtete, ergibt dagegen ein deutlich besseres Bild: 71,4 Prozent der Personaler sind mit ihrem Arbeitgeber zufrieden.

Worauf beruhen die Zahlen?

Für den Atlas hat Kununu 472.018 Arbeitgeberbewertungen aus Deutschland ausgewertet, die zwischen dem 30. Juni 2025 und dem 30. Juni 2026 abgegeben wurden. In die Kernanalyse flossen nur Bewertungen aktueller und ehemaliger Beschäftigter ein. Für das Personalwesen wurden zusätzlich mehr als 5.000 Bewertungen gesondert betrachtet. Die Werte bilden die Sicht derjenigen ab, die sich auf der Plattform äußern, und sind keine repräsentative Befragung. Kununu weist zudem darauf hin, dass die Analysen statistische Zusammenhänge zeigen, aber keine Ursachen belegen.

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Wo liegen die größten Schwachstellen?

Die Bewertungen zeigen klare Muster. Am besten schneiden Teamwork, Gleichberechtigung, interessante Aufgaben und die Arbeitsatmosphäre ab. Die meisten mittelmäßigen oder schlechten Noten mit ein bis drei Sternen erhalten dagegen Karriere und Weiterbildung (47,3 Prozent), Kommunikation (46,7 Prozent), Gehalt und Sozialleistungen (44,8 Prozent) sowie das Verhalten der Vorgesetzten (40,8 Prozent). Bei Karriere, Kommunikation und Gehalt sind die Werte gegenüber dem Vorjahr laut Kununu deutlich gesunken, beim Vorgesetztenverhalten moderater.

Auffällig ist das Thema Jobsicherheit: Es wird in Bewertungen 75 Prozent häufiger erwähnt als im Vorjahr. Kununu bringt es vor allem mit fehlender Orientierung durch Führungskräfte, ausbleibender Weiterentwicklung und finanzieller Unsicherheit in Verbindung. Für Führungskräfte heißt das: In unsicheren Zeiten wächst der Bedarf an klarer Information und Perspektive.

Welche Branchen und Regionen liegen vorn?

An der Spitze stehen Steuerberatung und Wirtschaftsprüfung mit 73,3 Prozent, gefolgt von Banken (69,9 Prozent) und Versicherungen (67,8 Prozent). Am unteren Ende der 15 untersuchten Branchen liegen Internet und Immobilien mit je 55,7 Prozent sowie der Maschinenbau mit 55,4 Prozent. Unter den Bundesländern löst Berlin mit 54,4 Prozent Hamburg an der Spitze ab, Schlusslicht ist Thüringen mit 47,4 Prozent. Unter den 20 größten Städten führt Stuttgart mit 57,9 Prozent.

Warum sind Personaler zufriedener?

In der HR-Sonderauswertung liegt die Zufriedenheit mit 71,4 Prozent weit über dem Gesamtwert. Besonders zufrieden sind Personaler in Banken (92,6 Prozent) und in der Energiebranche (84,8 Prozent), am wenigsten in der Chemie (62,4 Prozent) sowie in Landwirtschaft und Nahrungsmittelindustrie (62,3 Prozent). Doch auch im Personalwesen bremsen laut Personalwirtschaft dieselben Faktoren: Karriere und Weiterbildung, Kommunikation, Gehalt sowie das Führungsverhalten liegen dort jeweils unter vier Sternen.

Neu im Atlas ist eine Matrix, die zeigt, wie gut ein Thema bewertet wird und wie stark es statistisch mit der Gesamtzufriedenheit zusammenhängt. Sie soll Unternehmen helfen, Handlungsfelder mit großer Wirkung zu erkennen.

Was Arbeitgeber jetzt wissen sollten

  • Kommunikation stärken: Regelmäßige, ehrliche Informationen zur Lage des Unternehmens können Unsicherheit dämpfen, die in Bewertungen zunehmend sichtbar wird.
  • Führungskräfte befähigen: Das Vorgesetztenverhalten zählt zu den häufig kritisierten Punkten. Schulungen zu Feedback, Orientierung und Gesprächsführung setzen hier an.
  • Entwicklung sichtbar machen: Karriere und Weiterbildung erhalten die meisten schwachen Noten. Klare Entwicklungsgespräche und Lernangebote sind ein naheliegender Hebel.
  • Bewertungen auswerten: Öffentliche Bewertungen liefern Hinweise auf Schwachstellen und prägen zunehmend auch das Bild, das KI-Assistenten von Arbeitgebern zeichnen.
  • Eigene Daten erheben: Plattformwerte ersetzen keine eigene Mitarbeiterbefragung, die ein repräsentativeres Bild der Belegschaft liefert.