In der deutschen Metall- und Elektroindustrie rechnen 42 Prozent der Unternehmen damit, in den nächsten sechs Monaten Personal abzubauen. Das geht aus einer Umfrage des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall hervor, an der sich vom 7. bis 16. Oktober 2026 nach Verbandsangaben 1.461 Betriebe mit zusammen rund 800.000 Beschäftigten beteiligt haben. Nur zwölf Prozent der Befragten erwarten dagegen, ihre Belegschaft zu vergrößern. Die Ergebnisse wurden am 26. Oktober veröffentlicht – wenige Tage vor dem Ende der Friedenspflicht in der laufenden Tarifrunde.

Wie beurteilen die Unternehmen ihre Lage?

Die Stimmung in der Branche bleibt gedrückt. 39 Prozent der teilnehmenden Unternehmen bezeichnen ihre aktuelle Geschäftslage als schlecht, weitere 40 Prozent als lediglich befriedigend. Mit Blick auf die kommenden sechs Monate erwarten 21 Prozent eine weitere Verschlechterung. Die befragten Betriebe stehen nach Angaben von Gesamtmetall für gut ein Fünftel aller Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie in Deutschland.

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Wie viele Arbeitsplätze tatsächlich wegfallen könnten, lässt sich aus den Antworten nicht ablesen. Die Umfrage erfasst nur, ob ein Abbau geplant ist, nicht dessen Umfang. Der Verband verweist jedoch darauf, dass in der Branche seit 2019 bereits fast 350.000 Stellen verloren gegangen seien, und warnt ohne wirtschaftliche Trendwende vor weiteren Einschnitten.

Wie hat sich der Wert verändert?

Eine frühere Gesamtmetall-Erhebung aus dem September hatte einen deutlich niedrigeren Wert ergeben: Damals gaben 24 Prozent der Betriebe an, Beschäftigung abbauen zu wollen. Beide Befragungen sind allerdings nicht ohne Weiteres vergleichbar, da Fragestellung und Teilnehmerkreis voneinander abweichen können. Die Richtung ist aus Sicht des Verbands dennoch eindeutig.

Gesamtmetall-Hauptgeschäftsführer Oliver Zander betonte nach Berichten der Fachpresse, dass Aufträge aus dem Inland nicht automatisch Produktion im Inland bedeuteten. Damit zielt der Verband auf die Sorge, dass Unternehmen Fertigung zunehmend ins Ausland verlagern, wenn die Kosten am Standort Deutschland aus ihrer Sicht zu hoch bleiben.

Welche Rolle spielt die Tarifrunde?

Die Umfrage ist auch ein Argument in den laufenden Tarifverhandlungen. Die IG Metall fordert für die rund 3,7 Millionen Beschäftigten der Branche fünf Prozent mehr Geld sowie Zusagen zur Beschäftigungssicherung und eine Beteiligung an Gewinnen. Erste regionale Verhandlungsrunden blieben ohne Ergebnis. Die Friedenspflicht endet am 31. Oktober, ab dem 1. November sind Warnstreiks möglich.

Die Gewerkschaft hält die Szenarien der Arbeitgeber für überzeichnet. IG-Metall-Vorstandsmitglied Nadine Boguslawski erklärte, Kürzungen sicherten keinen einzigen Arbeitsplatz; sie forderte stattdessen tragfähige Zukunftskonzepte und ein klares Bekenntnis der Unternehmen zum Standort Deutschland.

Was Arbeitgeber jetzt wissen sollten

  • Wer einen Personalabbau erwägt, sollte frühzeitig prüfen, ob die Schwellenwerte für eine Massenentlassungsanzeige nach § 17 Kündigungsschutzgesetz (KSchG) erreicht werden und ob der Betriebsrat nach dem Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG) zu beteiligen ist.
  • Instrumente wie Kurzarbeit, Arbeitszeitkonten, Altersteilzeit oder freiwillige Programme können Kündigungen vermeiden oder verringern; ihre Eignung hängt vom Einzelfall und von tariflichen Regelungen ab.
  • Ab November ist mit Warnstreiks zu rechnen. Betriebe sollten Notfallpläne für Produktion, Lieferketten und Kundenkommunikation vorbereiten und beachten, dass Leiharbeitskräfte nicht als Streikbrecher eingesetzt werden dürfen.
  • Ein Tarifabschluss wirkt sich unmittelbar auf die Personalkostenplanung für 2027 aus. Es empfiehlt sich, mehrere Szenarien durchzurechnen.