Der US-Halbleiterkonzern Vishay Intertechnology baut seinen Standort im schleswig-holsteinischen Itzehoe weiter aus und will dort bis zu 250 neue Arbeitsplätze schaffen. Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen (CDU) übergab am 30. Oktober 2026 einen Förderbescheid über rund 215 Millionen Euro, wie die Deutsche Presse-Agentur und das Handelsblatt berichteten. Die deutsche Tochter will in einer weiteren Fabrik Siliziumscheiben mit 300 Millimetern Durchmesser fertigen; bislang werden in Itzehoe 200-Millimeter-Wafer produziert.
Wie groß ist die Investition?
Eine genaue Summe nannte das Unternehmen nicht, laut dpa sprach es von einem hohen dreistelligen Millionenbetrag. Andreas Hein, wirtschaftspolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, bezifferte das Volumen auf rund eine Milliarde Euro. Die Förderung von Bund und Land deckt damit grob ein Fünftel bis ein Viertel der Kosten – je nachdem, welche Zahl man zugrunde legt.
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Neu ist der Ausbau nicht. Bereits 2023 hatte Vishay in Itzehoe den ersten Spatenstich für eine 300-Millimeter-Fertigung gesetzt. Damals war von 400 Millionen US-Dollar für den ersten von drei Bauabschnitten die Rede; der Standort beschäftigte nach damaligen Angaben rund 500 Menschen, für die erste Ausbaustufe wurden etwa 150 zusätzliche Kräfte gesucht. Mit der jetzigen Ankündigung wächst das Vorhaben deutlich.
Warum entstehen trotz Automatisierung neue Jobs?
Moderne Halbleiterfabriken laufen weitgehend automatisiert. Personal braucht es dennoch – vor allem für Prozesstechnik, Anlagenwartung im Schichtbetrieb, Reinraumlogistik, Qualitätssicherung und Instandhaltung. Das Unternehmen betont, dass die bis zu 250 Stellen trotz automatisierter Abläufe entstehen sollen. Einen Zeitplan für die Einstellungen nannte es nicht.
Was bedeutet das für andere Arbeitgeber in der Region?
Für Betriebe im Kreis Steinburg und im weiteren Hamburger Umland ist die Ansiedlung zweischneidig. Einerseits stärkt sie die Industrie in einer Region, die selten große Investitionen anzieht. Andererseits konkurriert ein gut finanziertes Werk künftig um genau die Profile, die auch Mittelständler suchen: Elektronikerinnen, Mechatroniker, Industriemechaniker und Fachkräfte für Mess- und Regeltechnik. Viele dieser Berufe führt die Bundesagentur für Arbeit seit Jahren als Engpassberufe – Hintergründe dazu in unserem Beitrag über die Engpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit.
Erfahrungsgemäß werben Großansiedlungen nicht nur Arbeitslose und Berufseinsteiger, sondern auch erfahrene Beschäftigte aus umliegenden Betrieben ab. Wer Schichtarbeit, Tarifbindung und Weiterbildung anbieten kann, ist im Vorteil; kleinere Betriebe können mit Nähe, Flexibilität und kurzen Entscheidungswegen dagegenhalten.
Was Arbeitgeber jetzt wissen sollten
- Bindung prüfen: Betriebe mit elektrotechnischen und mechatronischen Fachkräften in der Region sollten frühzeitig Gehaltsbänder, Schichtzulagen und Entwicklungsperspektiven mit dem Marktniveau abgleichen.
- Ausbildung als Gegengewicht: Eigene Azubis sind die verlässlichste Fachkräftequelle. Wer jetzt noch Plätze frei hat, kann sie in der laufenden Nachvermittlung besetzen.
- Fördermittel kennen: Für die Qualifizierung eigener Beschäftigter in Richtung Automatisierung und Halbleitertechnik bietet die Bundesagentur Zuschüsse – Details zu der Weiterbildungsförderung für Beschäftigte.
- Rekrutierung breiter denken: Für Schichtbetriebe kann die gezielte Anwerbung aus dem Ausland eine Option sein, etwa über die Wege der Fachkräfteeinwanderung.
- Zeitplan beobachten: Wann Vishay die Stellen ausschreibt, ist offen. Die Erfahrung aus der ersten Ausbaustufe zeigt, dass die Rekrutierung lange vor Produktionsbeginn startet.