Einige Arbeitgeber bauen eigene Wohnungen für ihre Beschäftigten, um im Wettbewerb um Fachkräfte zu bestehen. Das zeigen aktuelle Projekte in Hessen, über die die Deutsche Presse-Agentur am 27. Oktober 2026 berichtete. Bundesweit bleibt das direkte Angebot jedoch die Ausnahme: Nach einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) stellt knapp jedes zehnte Unternehmen Beschäftigten selbst Wohnraum zur Verfügung, gut jedes fünfte hilft bei der Wohnungssuche.
Welche Arbeitgeber setzen auf Werkswohnungen?
In Frankfurt-Höchst hat die Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH (FES) zwei Jahre nach dem Spatenstich 48 Werkswohnungen fertiggestellt, 36 davon gefördert. Das Angebot reicht von Ein- bis Fünf-Zimmer-Wohnungen und richtet sich ausdrücklich auch an Familien. In Wiesbaden feierten die Helios Dr. Horst Schmidt Kliniken Ende September Richtfest für 168 Wohnungen in zehn Gebäuden, die bis September 2027 fertig sein sollen. Klinik-Geschäftsführer Thorsten Sleifir sprach von einem attraktiven Angebot, das die Gewinnung neuer Fachkräfte unterstütze.
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Der Klinikbetreiber Vitos, der in Hessen nach eigenen Angaben mehr als 12.000 Menschen beschäftigt, hat vor einem Jahr in Heppenheim eine Wohnanlage mit 23 Einheiten eröffnet und bietet auch in Riedstadt Wohnraum an. In Gießen entsteht ein Wohnheim mit 38 Einheiten, das bis zum Jahresende fertig werden soll. Hessens Wirtschaftsminister Kaweh Mansoori begrüßte das Engagement: Betriebswohnungen linderten den Druck auf dem Wohnungsmarkt und hülfen, Fachkräfte zu gewinnen und zu halten.
Wie verbreitet ist Mitarbeiterwohnen?
Das IW hat für seine im März 2026 veröffentlichte Studie im Rahmen seines Personalpanels von Mitte Juli bis Ende August 2025 insgesamt 826 Unternehmen aller Branchen außer dem öffentlichen Dienst befragt. Ergebnis: 21 Prozent unterstützen Beschäftigte organisatorisch oder finanziell bei der Wohnungssuche, neun Prozent stellen direkt oder über Tochtergesellschaften Wohnraum bereit.
Mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen berichtet von positiven Effekten solcher Hilfen auf die Gewinnung und langfristige Bindung von Fachkräften. Bei Auszubildenden und dual Studierenden sind die Effekte laut IW kleiner, aber ebenfalls erkennbar. Allerdings planen nur wenige Unternehmen, in den nächsten fünf Jahren neue Angebote einzuführen.
Was bremst die Unternehmen?
Als Hürden nennen die Firmen ungünstige Rahmenbedingungen bei der Anmietung, fehlende Partner aus der Wohnungswirtschaft, rechtliche, organisatorische und steuerliche Unsicherheiten sowie hohen Verwaltungsaufwand. Die IW-Autoren Philipp Deschermeier, Pekka Sagner und Michael Voigtländer weisen zudem darauf hin, dass der Kauf oder die Anmietung bestehender Wohnungen andere Mieter verdrängen kann. Zusätzlichen Wohnraum schaffe vor allem der Neubau, etwa auf Firmengelände. Sie fordern transparente Regeln, schnellere Genehmigungen und eine engere Zusammenarbeit von Arbeitgebern und Wohnungswirtschaft.
Wie groß der Bedarf ist, zeigt auch die Ausbildungsumfrage 2026 der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK): Fast zwei Drittel der Betriebe sehen Handlungsbedarf beim bezahlbaren Wohnraum für Auszubildende, in Berlin und Hamburg sogar neun von zehn.
Was Arbeitgeber jetzt wissen sollten
- Bedarf erheben: Vor einem Bauprojekt sollte klar sein, welche Beschäftigtengruppen, etwa Pflegekräfte, Schichtarbeiter oder Auszubildende, tatsächlich Wohnraum suchen.
- Einfache Modelle prüfen: Hilfe bei der Suche, Kooperationen mit Wohnungsunternehmen oder Belegungsrechte sind weniger aufwendig als eigener Neubau.
- Steuerliche Folgen klären: Verbilligt überlassener Wohnraum kann ein geldwerter Vorteil sein. Das Einkommensteuergesetz (EStG) sieht für Mitarbeiterwohnungen einen Bewertungsabschlag vor; Einzelheiten sollten mit der Steuerberatung abgestimmt werden.
- Mietverträge sorgfältig gestalten: Für Werkmietwohnungen gelten im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) besondere Kündigungsregeln, wenn das Arbeitsverhältnis endet. Verträge sollten rechtlich geprüft werden.
- Förderung erkunden: Projekte wie das der FES nutzen geförderten Wohnungsbau; Länder und Kommunen bieten dafür unterschiedliche Programme an.