Das Stellenangebot in Deutschland ist im dritten Quartal 2026 weiter gesunken, wenn auch langsamer als zuvor. Nach dem am 29. Oktober veröffentlichten Arbeitsmarkt-Update des Indeed Hiring Lab ging der Indeed Arbeitsmarkt Index zwischen dem 1. Juli und dem 30. September um 1,1 Prozent zurück, nach minus 4,3 Prozent im zweiten Quartal. Zugleich sank der Anteil der Stellen mit Remote- oder Hybrid-Option bis Ende September auf 13,9 Prozent. Für Arbeitgeber heißt das: Der Wettbewerb um Bewerber hat sich in vielen Berufen entspannt, in Technik, Bau und Handwerk aber nicht.

Warum kommt der Aufschwung nicht bei den Stellen an?

Die Stimmung in den Unternehmen hat sich seit dem Sommer spürbar aufgehellt. Indeed verweist auf den ifo-Geschäftsklimaindex, der von 85,6 Punkten im Juni auf 89,9 Punkte im September gestiegen ist, und auf die Wirtschaftsforschungsinstitute, die ihre Wachstumsprognose für 2026 von 0,6 auf 1,3 Prozent angehoben haben. Getragen werde die Erholung aber vor allem von der Finanzpolitik des Staates, während private Investitionen und Konsum schwach blieben.

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Das deckt sich mit den amtlichen Zahlen. Die Bundesagentur für Arbeit zählte im September 2.994.000 Arbeitslose, 40.000 mehr als ein Jahr zuvor; die Quote lag bei 6,4 Prozent. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung lag im Juli mit 34,68 Millionen um 84.000 unter dem Vorjahr. Die Unternehmen erneuern sich offenbar lieber mit dem vorhandenen Personal, als zusätzliche Stellen zu schaffen – so fasst auch Indeed-Ökonomin Virginia Sondergeld die Lage zusammen. Im Vergleich zum Februar 2020 liegt das Stellenangebot auf Indeed noch 4 Prozent höher.

Welche Berufe legen zu, welche verlieren?

In 23 von 39 untersuchten Berufsgruppen stieg das Angebot im Quartal. Am deutlichsten wuchs es im Maschinenbau (plus 10 Prozent), im Bauwesen (plus 6,5 Prozent) und im Handwerk (plus 6 Prozent). Auch Elektrotechnik, Bauingenieurwesen und Wirtschaftsingenieurwesen legten leicht zu. Indeed sieht einen möglichen Zusammenhang mit den staatlichen Infrastrukturinvestitionen. Die Ingenieurberufe machen allerdings jeweils weniger als ein Prozent aller Anzeigen aus – ein Massenphänomen ist der Zuwachs also nicht.

Spürbar zurück ging dagegen das Angebot im Gesundheitswesen: in der Pflege um 5,6 Prozent im Quartal und um 16,3 Prozent seit März, bei Arztberufen um 4,4 Prozent. Als mögliche Ursache nennt Indeed das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz, das das Pflegebudget ab 2027 begrenzt. Der Sektor liegt aber weiterhin deutlich über dem Gesamtmarkt – Indeed spricht von einer Normalisierung auf hohem Niveau.

Homeoffice wird vom Standard zur Verhandlungssache

Der Indeed Remote Tracker erreichte seinen Höchstwert im April 2023 mit 16,8 Prozent. Im Januar 2026 lag er noch über 15 Prozent, Ende September bei 13,9 Prozent. Ein Teil des Rückgangs erklärt sich aus dem Stellenmix: Berufe mit hoher Präsenzpflicht wie Gesundheit, Handel und Handwerk liegen im Index bei 122 Punkten, Büro- und Verwaltungsberufe, Marketing und Personalwesen nur bei 78.

Der Mix erklärt aber nicht alles. Auch innerhalb der Bürojobs sank der Remote-Anteil seit Jahresbeginn um 2,4 Prozentpunkte auf 34,2 Prozent, und zwar in nahezu allen Berufsgruppen. Mehrere große Konzerne haben ihre Präsenzregeln zuletzt verschärft. Ob die Rückkehr ins Büro tatsächlich produktiver macht, lässt die Auswertung offen.

Für Personalabteilungen ergibt sich daraus ein Zielkonflikt: Wer jetzt Präsenz verlangt, verliert in Büroberufen kaum Bewerber, weil auch die Konkurrenz weniger Homeoffice anbietet. Wer dagegen Ingenieure, Elektrotechniker oder Bauleute sucht, konkurriert in einem wachsenden Markt – dort kann eine flexible Regelung den Unterschied machen, soweit die Tätigkeit sie zulässt. Wie Unternehmen hybride Teams mit klaren Regeln führen, hängt damit stärker vom Arbeitsmarkt der einzelnen Berufsgruppe ab als von einer konzernweiten Linie.

Was Arbeitgeber jetzt wissen sollten

  • Personalplanung nach Berufsgruppen trennen: In Verwaltung, Marketing und HR sinkt die Zahl der Anzeigen, in Maschinenbau, Bau und Handwerk steigt sie. Budgets für Recruiting und Arbeitgebermarketing sollten dieser Verschiebung folgen. Hintergrund liefert unser Zahlen-Briefing zum Arbeitsmarkt im Herbst 2026.
  • Präsenzregeln rechtlich sauber ändern: Ist Homeoffice im Arbeitsvertrag oder in einer Betriebsvereinbarung zugesagt, kann der Arbeitgeber es nicht einseitig streichen. Bei der Ausgestaltung mobiler Arbeit hat der Betriebsrat nach § 87 Abs. 1 Nr. 14 Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG) mitzubestimmen. Einen Überblick gibt unser Beitrag zum rechtlichen Rahmen für Homeoffice und mobile Arbeit.
  • Homeoffice in Anzeigen konkret benennen: Wo es angeboten wird, ist es ein knapper werdendes Merkmal. Angaben wie „zwei Tage mobil pro Woche“ sind aussagekräftiger als „flexible Arbeitszeiten“.
  • Gesundheitswesen beobachten: Kliniken und Pflegeeinrichtungen schreiben weniger aus. Arbeitgeber anderer Branchen, die Pflegekräfte für betriebliche Gesundheitsangebote suchen, könnten davon profitieren.