Der Arbeitsmarkt für IT-Fachkräfte in Deutschland hat sich gedreht: Nur noch 37 Prozent der Beschäftigten in IT-Berufen schätzen ihre Jobchancen als gut ein, 2021 waren es 78 Prozent. Das ergab eine Befragung des Karriereportals Jobware unter 800 IT-Fachkräften, über die das Fachportal heise online berichtete. Gleichzeitig steigt die Nachfrage wieder: Laut dem am 28. Oktober 2026 vorgestellten VDI/IW-Ingenieurmonitor lag die Zahl offener Stellen in Informatikberufen im dritten Quartal 2026 bei 25.720, 10,3 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.
Wie sehen IT-Fachkräfte ihre Lage?
Jobware befragte Nutzer seines Portals und verglich die Ergebnisse mit einer Erhebung aus dem Jahr 2021, als der Markt von Fachkräftemangel geprägt war. Die Umfrage ist nach eigenen Angaben nicht repräsentativ. 63 Prozent der Befragten bewerten ihre Aussichten inzwischen als schlecht oder sehr schlecht. Am pessimistischsten ist die Gruppe der 31- bis 35-Jährigen, von denen 71 Prozent schlechte Chancen sehen. Als Gründe nennt Jobware die wirtschaftliche Unsicherheit, verändertes Investitionsverhalten und die Debatte über Automatisierung durch künstliche Intelligenz.
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Die Gehaltserwartungen sind trotz der Skepsis gestiegen. Im Schnitt halten die Befragten über alle Erfahrungsstufen 60.600 Euro im Jahr für angemessen, nach 53.600 Euro im Jahr 2021. Ein Einstiegsgehalt unter 45.000 Euro akzeptieren nur noch 26 Prozent, vor fünf Jahren waren es 44 Prozent. Bei der Wahl des Arbeitgebers zählen vor allem Homeoffice (79 Prozent) sowie ein attraktives Gehalt, flexible Arbeitszeiten und ein unbefristeter Vertrag mit jeweils 69 Prozent.
Was zeigen die amtlichen Zahlen?
Nach dem VDI/IW-Ingenieurmonitor stieg die Arbeitslosigkeit in Informatikberufen im dritten Quartal 2026 um 18,0 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auf 100 Arbeitslose kamen dort 117 offene Stellen. Damit liegt die Informatik zwar noch über der Schwelle von 100, ab der VDI und Institut der deutschen Wirtschaft (IW) von Engpässen sprechen, aber deutlich unter Berufsfeldern wie der Energie- und Elektrotechnik mit 238. VDI-Direktor Adrian Willig sprach mit Blick auf den Gesamtmarkt von einem ersten positiven Signal, warnte aber, von einer echten Trendwende könne noch keine Rede sein.
Gibt es noch einen Mangel an IT-Fachkräften?
Ja, wenn auch kleiner als in den Vorjahren. Der Digitalverband Bitkom beziffert die Lücke in seiner Studie „Der Arbeitsmarkt für IT-Fachkräfte 2026“ auf rund 79.000 IT-Fachkräfte; 2023 waren noch 149.000 Stellen unbesetzt. 78 Prozent der befragten Unternehmen beobachten weiterhin einen Mangel. Am stärksten gesucht sind Fachleute für IT-Administration und Systembetrieb (26 Prozent), Softwareentwicklung und -architektur (17 Prozent) sowie Cloud und Infrastruktur (14 Prozent). Ein Drittel der Unternehmen berichtet, dass Bewerber nicht die aktuellen Technologieanforderungen erfüllen; 31 Prozent erhalten kaum oder gar keine Bewerbungen.
Für die Bitkom-Studie wurden zwischen Ende April und Juni 2026 Unternehmen ab drei Beschäftigten telefonisch befragt. Die Zahlen zeigen: Der Markt ist gespalten. Während viele erfahrene Kräfte vorsichtiger werden und Arbeitslose in IT-Berufen zunehmen, fehlen gefragte Spezialprofile weiterhin.
Was Arbeitgeber jetzt wissen sollten
- Günstiges Fenster nutzen: Mehr verfügbare IT-Fachkräfte und eine vorsichtigere Wechselstimmung können die Suche erleichtern, vor allem für Profile außerhalb der größten Engpässe.
- Sicherheit betonen: Unbefristete Verträge und verlässliche Perspektiven gehören für IT-Fachkräfte zu den wichtigsten Kriterien und sollten in Anzeigen klar benannt werden.
- Homeoffice nicht leichtfertig streichen: Für 79 Prozent der befragten IT-Kräfte ist mobiles Arbeiten ein zentrales Merkmal attraktiver Arbeitgeber.
- Gehaltsrahmen prüfen: Die Erwartungen sind gestiegen; wer deutlich unter den genannten Werten anbietet, riskiert Absagen.
- Qualifizieren statt nur suchen: Wenn Bewerber aktuelle Technologieanforderungen nicht erfüllen, kann gezielte Weiterbildung, etwa in Cloud oder IT-Sicherheit, die schnellere Lösung sein.