Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in Deutschland dürfte auch im kommenden Jahr hoch bleiben. Der Kreditversicherer Allianz Trade rechnet in einer am 27. Oktober 2026 veröffentlichten Prognose sowohl für 2026 als auch für 2027 mit jeweils 25.900 Firmenpleiten. Das berichtet die Deutsche Presse-Agentur. Ein so hohes Niveau hatte es zuletzt 2013 gegeben, gegen Ende der europäischen Schuldenkrise. Erst für 2028 erwartet das Unternehmen eine Entspannung.
Wie entwickeln sich die Insolvenzzahlen?
Für das laufende Jahr entspricht die Prognose einem Anstieg um acht Prozent. Nach Daten des Statistischen Bundesamts, die die dpa anführt, wurden 2025 insgesamt 24.064 Unternehmensinsolvenzen gezählt, nach 21.812 im Jahr davor und 17.814 zwei Jahre zuvor. Im ersten Halbjahr 2026 wurden 12.812 Fälle registriert, 6,7 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.
Lesen Sie auch Indeed-Update: Stellenmarkt stagniert, Homeoffice-Angebote werden seltener
Für 2028 sagt Allianz Trade einen Rückgang um fünf Prozent auf 24.600 Fälle voraus. Dann könnten die Konjunkturmaßnahmen der Bundesregierung nach Einschätzung des Versicherers stärker greifen. Für das kommende Jahr sieht Deutschland-Chef Milo Bogaerts dagegen keine Entspannung. Damit würde sich die Phase hoher Insolvenzzahlen, die nach den Daten des Statistischen Bundesamts seit mehreren Jahren anhält, mindestens bis Ende 2027 fortsetzen. Die Prognose stammt allerdings von einem einzelnen Kreditversicherer und beruht auf dessen eigenen Annahmen, etwa zur weiteren Entwicklung des Konflikts im Nahen Osten.
Was treibt die Pleiten?
Als Ursachen nennt Allianz Trade laut dpa den schwelenden Iran-Krieg, die anhaltend schwache Konjunktur, den Mangel an Fachkräften und hohe Betriebskosten. Bemerkenswert ist, dass der Fachkräftemangel in dieser Aufzählung neben klassischen Kostenfaktoren steht: Für manche Betriebe wird fehlendes Personal offenbar selbst zum Risiko für das Fortbestehen.
„Besonders betroffen sind Transport und Logistik, Bau, Gastgewerbe sowie die Automobil- und Maschinenbauindustrie“, sagte Bogaerts. Wie das Handelsfachportal etailment unter Berufung auf das Handelsblatt berichtet, trifft es Transport und Logistik besonders hart. Gerade diese Branchen sind beschäftigungsintensiv, sodass Insolvenzen dort viele Arbeitsplätze berühren.
Was bedeutet das für den Arbeitsmarkt?
Jede Insolvenz bringt Beschäftigte in Unsicherheit, auch wenn längst nicht jedes Verfahren zur Schließung führt. Für den Arbeitsmarkt wirken die Pleiten in zwei Richtungen: Einerseits fallen Stellen weg, andererseits suchen qualifizierte Fachkräfte aus insolventen Betrieben neue Arbeitgeber. Unternehmen, die stabil wirtschaften, können davon bei der Personalgewinnung profitieren. Gleichzeitig steigt für Zulieferer und Dienstleister das Risiko, selbst von Zahlungsausfällen ihrer Kunden getroffen zu werden.
Was Arbeitgeber jetzt wissen sollten
- Kundenrisiken prüfen: In den genannten Branchen sollten Unternehmen Zahlungsziele, Bonität und Abhängigkeiten von einzelnen Großkunden genauer beobachten. Forderungsausfälle können schnell auf die eigene Liquidität und damit auf Arbeitsplätze durchschlagen.
- Fachkräfte aus Insolvenzen gewinnen: Beschäftigte insolventer Betriebe sind häufig erfahren und kurzfristig verfügbar. Kontakte zu Insolvenzverwaltern, Arbeitsagenturen und Transfergesellschaften können bei der Suche helfen.
- Insolvenzgeld kennen: Beschäftigte insolventer Arbeitgeber können für ausstehendes Arbeitsentgelt der letzten drei Monate vor dem Insolvenzereignis Insolvenzgeld bei der Bundesagentur für Arbeit beantragen. Personalabteilungen sollten im Ernstfall frühzeitig darüber informieren.
- Frühwarnsignale ernst nehmen: Wer selbst unter Druck gerät, sollte rechtzeitig Beratung suchen. Das Unternehmensstabilisierungs- und -restrukturierungsgesetz (StaRUG) bietet Instrumente, um eine Insolvenz möglichst abzuwenden; die Voraussetzungen sollten im Einzelfall geprüft werden.