Auf dem Arbeitsmarkt für Ingenieure und IT-Fachkräfte in Deutschland ist die Arbeitslosigkeit im dritten Quartal 2026 auf den höchsten Stand seit Beginn der Erhebung 2011 gestiegen. Zugleich nahm die Zahl der offenen Stellen erstmals nach drei Jahren wieder zu. Das geht aus dem Ingenieurmonitor hervor, den der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) und das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) am 26. Oktober 2026 veröffentlicht haben. Demnach waren 65.427 Fachkräfte aus Ingenieur- und Informatikberufen arbeitslos gemeldet, 13,7 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Ihnen standen 105.340 offene Stellen gegenüber, ein Plus von 5,9 Prozent.

Wo steigt die Nachfrage, wo sinkt sie?

Von den offenen Stellen entfielen laut VDI 79.620 auf Ingenieurberufe und 25.720 auf Informatikberufe. Die Informatik legte um 10,3 Prozent zu, Berufe der technischen Forschung und Produktionssteuerung um 7,5 Prozent. Die meisten Stellen gab es bei Bauingenieuren mit 36.310, mehr als ein Drittel aller offenen Stellen. Der VDI führt die Nachfrage dort auf öffentliche Investitionen zurück, wie die Ippen-Mediengruppe berichtet. Rückläufig war das Angebot dagegen in den sonstigen Ingenieurberufen (minus 17,5 Prozent) sowie in Kunststoffherstellung und chemischer Industrie (minus 12,4 Prozent).

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Wen trifft die Arbeitslosigkeit besonders?

Am stärksten stieg die Arbeitslosigkeit in der technischen Forschung und Produktionssteuerung (plus 19,3 Prozent) und in der Informatik (plus 18,0 Prozent). Bei Bauingenieuren lag der Zuwachs dagegen nur bei 3,0 Prozent. Regional verzeichneten die Industrieländer Baden-Württemberg (plus 20,6 Prozent) und Bayern (plus 16,8 Prozent) die höchsten Zuwächse. Die meisten Arbeitslosen gab es mit 12.895 in Nordrhein-Westfalen.

Es gibt aber auch Anzeichen einer Stabilisierung: Von Januar bis September 2026 stieg die Arbeitslosigkeit nur um 2,3 Prozent, nachdem es im gleichen Zeitraum des Vorjahres noch 10,8 Prozent gewesen waren. VDI-Direktor Adrian Willig spricht von einem ersten positiven Signal, betont aber, dass von einer echten Trendwende noch keine Rede sein könne.

Gibt es noch einen Fachkräftemangel?

Trotz der hohen Arbeitslosigkeit bleibt der Markt nach den Kennzahlen des Monitors angespannt. Auf 100 Arbeitslose kamen im dritten Quartal 161 offene Stellen, nach 173 ein Jahr zuvor. Ab einem Wert von 100 spricht der VDI von Mangel. Besonders groß ist die Lücke bei Bauingenieuren (318), in der Energie- und Elektrotechnik (238) sowie in der Maschinen- und Fahrzeugtechnik (174). In der Informatik lag der Wert bei 117. Regional am knappsten sind Fachkräfte in Sachsen-Anhalt und Thüringen (249) sowie in Sachsen (219).

VDI-Arbeitsmarktexperte Maximilian Stindt fasst die Lage knapp zusammen: „Steigende Arbeitslosigkeit trifft auf Fachkräfteengpässe.“ Langfristig dürfte sich die Knappheit verschärfen: In den kommenden zehn Jahren scheiden nach VDI-Berechnungen rund 315.000 Ingenieur- und IT-Fachkräfte altersbedingt aus dem Berufsleben aus. Ende 2025 waren in diesen Berufen rund 1,54 Millionen Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt, 59 Prozent mehr als Ende 2012.

Was Arbeitgeber jetzt wissen sollten

  • Bewerberpool nutzen: Besonders in Baden-Württemberg und Bayern suchen derzeit mehr erfahrene Ingenieure und IT-Fachkräfte eine Stelle. Für Unternehmen mit Bedarf kann das eine Gelegenheit sein, offene Positionen zu besetzen.
  • Quereinstieg prüfen: Fachkräfte aus schrumpfenden Bereichen wie Fahrzeugtechnik oder Chemie bringen oft übertragbare Kompetenzen mit. Knapp zwei Drittel der vom VDI Befragten sehen in ihrer Branche hohen oder sehr hohen Bedarf an Neuqualifizierung.
  • Engpassberufe gezielt besetzen: In Bauingenieurwesen und Elektrotechnik bleibt der Wettbewerb um Bewerber hart. Hier lohnen sich frühe Bindung von Studierenden und attraktive Einstiegsangebote.
  • Demografie einplanen: Die erwarteten 315.000 Altersabgänge in zehn Jahren sprechen dafür, Nachfolgen und Wissenstransfer frühzeitig zu organisieren, auch wenn der Markt derzeit entspannter wirkt.