Deutsche Unternehmen sehen die größten Kompetenzlücken ihrer Belegschaften bei künstlicher Intelligenz. In einer Befragung des Stifterverbands und der Haufe Akademie unter 1.001 Führungskräften aus der Privatwirtschaft gaben 30,9 Prozent an, dass im eigenen Unternehmen ein grundlegendes KI-Verständnis (AI Literacy) fehlt. Fast genauso viele, 30,8 Prozent, vermissen Fähigkeiten zur Entwicklung von KI-Anwendungen (AI Engineering). Die Studie „Welche Future Skills fehlen in deutschen Unternehmen?“ wurde am 22. September 2026 vorgestellt.
Wo die Lücken am größten sind
Auf den folgenden Plätzen stehen ebenfalls technologische Kompetenzen. Autonome Systeme und Robotik nannten 29,7 Prozent der Befragten, Data Science und Analytics 26,3 Prozent. Veränderungsmanagement im Zusammenhang mit KI folgt mit 25,5 Prozent. Erst danach kommen überfachliche Fähigkeiten wie der Umgang mit Unsicherheit (23,9 Prozent), kritisches Denken (23,0 Prozent) und Kreativität (22,6 Prozent). Kompetenzen wie Dialog-, Diversitäts- und ethische Kompetenz sowie Datenkompetenz vermissen jeweils weniger als ein Fünftel.
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Die Online-Befragung lief nach Angaben aus der Studienberichterstattung vom 23. März bis 2. April 2026. Grundlage ist das Future-Skills-Framework des Stifterverbands mit fünf Kompetenzbereichen: grundlegende, transformative, gemeinschaftsorientierte, digitale und technologische Zukunftskompetenzen.
Die meisten Betriebe sehen sich gut aufgestellt
Bemerkenswert ist der Gegenbefund: Bei den meisten abgefragten Kompetenzen sehen rund 70 Prozent der Führungskräfte keine größeren Lücken. Gleichzeitig halten rund 80 Prozent die Future Skills für wichtig für die Wettbewerbsfähigkeit ihres Unternehmens. Die Werte spiegeln allerdings Selbsteinschätzungen wider. Wie gut Beschäftigte tatsächlich mit KI umgehen können, wurde nicht gemessen.
Andrea Frank, stellvertretende Generalsekretärin des Stifterverbands, warnt davor, das Thema auf Technik zu verengen. Die Debatte über fehlende KI-Kompetenzen greife zu kurz, sagte sie. „Entscheidend ist, technologische Möglichkeiten mit Fachwissen zu verbinden und in konkrete Anwendungen zu übersetzen.“
Welche Weiterbildung Unternehmen wollen
Bei der Frage, wie Kompetenzen aufgebaut werden sollen, wünschen sich die Befragten vor allem mehr Praxisbezug und konkrete Anwendungsfälle. Technische Inhalte sollen mit anderen Zukunftskompetenzen verknüpft werden. Zusätzliche Kurse oder Pflichtmodule allein reichen nach den Ergebnissen nicht aus; gefragt sind auch neue Formen der Vermittlung.
Rechtlich ist das Thema nicht neu. Artikel 4 der europäischen KI-Verordnung verpflichtet Unternehmen, die KI-Systeme einsetzen, seit Februar 2025 zu Maßnahmen für die KI-Kompetenz ihres Personals. Mit der Änderung durch die Digital-Omnibus-Verordnung im Sommer 2026 wurde die Pflicht so gefasst, dass Unternehmen den Kompetenzaufbau unterstützen müssen, ohne ein bestimmtes Niveau einzelner Beschäftigter zu garantieren.
Was Arbeitgeber jetzt wissen sollten
- Der Bedarf liegt weniger bei allgemeinen Soft-Skill-Programmen als beim Verständnis von KI im eigenen Fachbereich. Schulungen sollten an realen Aufgaben der jeweiligen Abteilung ansetzen.
- Eine eigene Bestandsaufnahme lohnt sich: Selbsteinschätzungen von Führungskräften können die tatsächliche Lage über- oder unterschätzen. Kurze Kompetenzchecks oder Pilotprojekte liefern belastbarere Daten.
- Maßnahmen zur KI-Kompetenz sollten dokumentiert werden, da Artikel 4 der KI-Verordnung ein Tätigwerden verlangt.
- Veränderungsmanagement gehört dazu: Ein Viertel der Befragten sieht Lücken bei der Führung durch KI-getriebene Veränderungen. Führungskräfte sollten daher selbst Teil des Qualifizierungsprogramms sein.