Künstliche Intelligenz verändert technische Berufe so stark, dass Beschäftigte deshalb ihren Arbeitgeber verlassen. 38,4 Prozent der MINT-Fachkräfte in Deutschland berichten, dass in den vergangenen zwölf Monaten Kolleginnen oder Kollegen aus ihrem Team aus KI-bezogenen Gründen gekündigt haben. Das ergab eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov im Auftrag der britischen Personalberatung SThree unter 817 Erwerbstätigen in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, über die die Deutsche Presse-Agentur am 24. Oktober 2026 berichtete.

Was sagt die Zahl genau aus?

Die 38,4 Prozent beschreiben Beobachtungen im eigenen Team, keine individuelle Kündigungsquote. Wie viele Beschäftigte insgesamt wegen KI gegangen sind, lässt sich daraus nicht ablesen. Befragt wurde im Sommer 2026. Als Gründe für die Abgänge nannten die Befragten am häufigsten, dass sich die Arbeit stark verändert habe (52,2 Prozent), teils „bis zur Unkenntlichkeit“. Es folgen fehlende Entwicklungsperspektiven (46,5 Prozent) und eine nicht mehr tragbare Arbeitslast (36,9 Prozent). Mehrfachnennungen waren möglich.

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Welche Bereiche sind besonders betroffen?

Am häufigsten berichten Beschäftigte in den Life Sciences, also in Biowissenschaften und Medizin, von KI-bedingten Abgängen im Team: 56,8 Prozent. Im Ingenieurwesen sind es 29,6 Prozent, in der IT 28,9 Prozent. Gerade in forschungsnahen Bereichen scheint der Umbau von Tätigkeiten durch KI damit besonders spürbar zu sein.

Wird KI überwiegend negativ gesehen?

Nein, die Befragung zeichnet ein gemischtes Bild. 66,8 Prozent derjenigen, die KI nutzen, sagen, die Produktivität ihres Teams sei heute höher als vor zwei Jahren. Die gewonnene Zeit fließt nach eigenen Angaben vor allem in strategisches Denken (38,0 Prozent), zusätzliche Aufgaben (29,4 Prozent) und Weiterbildung (29,0 Prozent). Mit KI am Arbeitsplatz verbinden viele Befragte positive Begriffe wie anregend (38,0 Prozent), Neugier (37,0 Prozent) oder spannend (32,7 Prozent). Druck nennen 11,7 Prozent, Angst 9,3 Prozent.

Was wünschen sich die Fachkräfte?

In offenen Antworten nannten die Befragten vor allem drei Punkte, mit denen Arbeitgeber Fachkräfte halten könnten: gezielte Weiterbildung, klare Regeln für den Einsatz von KI und eine frühzeitige Einbindung durch das Management. Der Befund passt zu einer weiteren aktuellen Erhebung. Laut dem „Business Facts Index 2026“ des Softwareanbieters Factorial haben 70 Prozent der Führungskräfte in Deutschland seit dem KI-Einsatz ihre Leistungserwartungen an ihre Teams erhöht, während die Arbeitsbelastung bei 67 Prozent gleich geblieben oder gestiegen ist.

Für Unternehmen ist das ein Warnsignal, gerade in Feldern, in denen Fachkräfte knapp sind. Nach dem VDI/IW-Ingenieurmonitor kamen im dritten Quartal 2026 in Ingenieur- und Informatikberufen 161 offene Stellen auf 100 Arbeitslose. Wer erfahrene Kräfte verliert, weil Aufgaben ohne Begleitung umgebaut werden, muss sie unter Umständen aufwendig ersetzen.

Was Arbeitgeber jetzt wissen sollten

  • Veränderung erklären: Wenn KI Tätigkeiten umbaut, sollten Beschäftigte früh erfahren, wie sich ihre Rolle entwickelt und welche Aufgaben künftig im Mittelpunkt stehen.
  • Perspektiven schaffen: Fehlende Entwicklungsmöglichkeiten sind der zweithäufigste Abgangsgrund. Neue Rollen, etwa bei der Steuerung und Prüfung von KI-Ergebnissen, können Karrierewege eröffnen.
  • Weiterbildung verankern: Die europäische KI-Verordnung (AI Act) verlangt seit Februar 2025, dass Beschäftigte, die mit KI arbeiten, über ausreichende KI-Kompetenz verfügen.
  • Regeln festlegen: Eine interne KI-Richtlinie schafft Klarheit, welche Werkzeuge wofür genutzt werden dürfen. Wo ein Betriebsrat besteht, ist er bei Systemen mit Überwachungspotenzial zu beteiligen.
  • Arbeitslast messen: Produktivitätsgewinne sollten nicht automatisch in zusätzliche Aufgaben fließen. Regelmäßige Gespräche über Auslastung helfen, Überlastung früh zu erkennen.