Wer ChatGPT, Gemini, Claude oder Perplexity nach einem Arbeitgeber fragt, bekommt eine Antwort, die überwiegend auf fremden Quellen beruht. Das zeigt eine Auswertung zu den 40 Dax-Konzernen, über die das Personalmagazin von Haufe am 27. Oktober 2026 berichtete. Demnach stützen sich 67 Prozent aller belegten KI-Aussagen über die Unternehmen als Arbeitgeber auf externe Quellen und nur 33 Prozent auf die Seiten der Unternehmen selbst. Wichtigste Einzelquelle ist die Bewertungsplattform Kununu mit 33,2 Prozent. Sie trägt damit etwa so viel zum KI-Bild bei wie die eigenen Seiten aller 40 Konzerne zusammen.
Wie wurde gemessen?
Grundlage ist das neu entwickelte Monitoring-Werkzeug „Georg“ der Gründer Manfred Böcker und Sascha Theisen. Im September 2026 wurden die vier KI-Modelle zu neun Arbeitgeberfaktoren wie Vergütung, Karriere und Führung befragt; ausgewertet wurden 15.198 Aussagen, die mit Quellen belegt waren. Nach Kununu folgen Indeed mit neun und Glassdoor mit fünf Prozent. Insgesamt stammen 57 Prozent der externen Aussagen von Bewertungsportalen, Kununu wird bei allen 40 Unternehmen zitiert. Die Zahlen beruhen auf einem einzelnen Verfahren, das nicht unabhängig überprüft ist.
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Unterscheiden sich die KI-Modelle?
Deutlich. Bei ChatGPT stammen 53 Prozent der Aussagen aus Quellen der Unternehmen, bei Perplexity 39 Prozent, bei Gemini 22 und bei Claude 21 Prozent. Greift ChatGPT auf externe Quellen zurück, sind es zu 96 Prozent Bewertungsportale. Auch zwischen den Konzernen schwankt der Eigenanteil stark, von 15 Prozent bei SAP bis 52 Prozent bei Heidelberg Materials.
Mehr eigene Inhalte führen aber nicht automatisch zu einem besseren Bild: Die zehn bestbewerteten und die zehn schwächsten Konzerne haben nahezu denselben Eigenanteil. „Der Eigenanteil entscheidet, wer über ein Unternehmen spricht, aber nicht, wie gut das Bild ausfällt“, sagte Theisen. An der Spitze des daraus errechneten KI-Arbeitgeberrankings stehen Hannover Rück, Munich Re, MTU Aero Engines und Beiersdorf. Über alle Unternehmen schneidet das Thema Führung und Management mit durchschnittlich 44 von 100 Punkten am schwächsten ab, Karriere und Entwicklung mit 80 Punkten am besten.
Wie viele Bewerber nutzen KI bei der Jobsuche?
Zahlen dazu liefert eine Befragung von Forschenden der Wirtschaftsuniversität Wien, der IMC Hochschule Krems und der Universität Amsterdam unter 2.076 Bewerbern in Deutschland vom Mai 2026, über die das Portal it-daily berichtete. Demnach nutzen 29 Prozent bereits KI-Werkzeuge für Jobsuche und Arbeitgeberrecherche, weitere 44 Prozent können sich das für die nächste Suche vorstellen. Unter den 18- bis 29-Jährigen sind es bereits 38 Prozent. 42 Prozent halten KI-Recherchen für glaubwürdiger als eine klassische Suche über Google oder Jobbörsen, nur 15 Prozent für weniger glaubwürdig.
Weist ein KI-Werkzeug auf schlechte Bewertungen eines Arbeitgebers hin, orientieren sich laut der Studie 76 Prozent der Befragten daran. Zugleich haben Bewerber klare Erwartungen: 54 Prozent wünschen sich, dass Arbeitgeber auf negative Bewertungen reagieren, 52 Prozent, dass sie aus Bewertungen lernen.
Was Arbeitgeber jetzt wissen sollten
- Bewertungsportale ernst nehmen: Was auf Kununu, Indeed oder Glassdoor steht, fließt direkt in die Antworten von KI-Assistenten ein und prägt so den ersten Eindruck vieler Bewerber.
- Sachlich reagieren: Antworten auf Kritik sollten konkret, respektvoll und ohne Druck auf Beschäftigte formuliert sein. 47 Prozent der Befragten wünschen sich, dass Arbeitgeber Bewertungen neutral fördern.
- Eigene Inhalte auf Bewerberfragen ausrichten: Karriereseiten sollten konkrete Antworten zu Gehalt, Arbeitszeit, Führung und Entwicklung geben, statt nur Werbebotschaften.
- Führung als Schwachstelle prüfen: Wenn KI-Modelle Führung durchweg am schlechtesten bewerten, lohnt ein Blick darauf, was Beschäftigte dazu öffentlich schreiben.
- Regelmäßig testen: Personalabteilungen können selbst prüfen, was gängige KI-Assistenten über das eigene Unternehmen als Arbeitgeber sagen und auf welche Quellen sie verweisen.