Für Studierende in Deutschland ist ein sicherer Arbeitsplatz inzwischen das wichtigste Kriterium bei der Wahl des künftigen Arbeitgebers. 52 Prozent nennen die Jobsicherheit an erster Stelle, wie aus der Studierendenstudie 2026 der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY hervorgeht, über die die Funke-Mediengruppe und die Deutsche Presse-Agentur am 28. Oktober 2026 berichteten. Das Gehalt, das bei der vorigen Befragung im Jahr 2024 noch vorn lag, folgt mit 43 Prozent auf Platz zwei.
Wer wurde befragt?
EY ließ im Frühjahr 2026 mehr als 2.000 Studierende in Deutschland online befragen; die Umfrage ist nach Angaben des Unternehmens repräsentativ. Erste Ergebnisse hatte EY bereits im Juni veröffentlicht. Die vorige vergleichbare Erhebung stammt aus dem Jahr 2024.
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Was ist Studierenden bei der Jobwahl wichtig?
Der Anteil derjenigen, die Sicherheit als wichtigstes Kriterium nennen, ist laut den Berichten binnen zwei Jahren um zehn Prozentpunkte gestiegen. Frauen legen darauf mit 57 Prozent mehr Wert als Männer mit 47 Prozent. Beim Gehalt zeigt sich ein ähnliches Muster: 48 Prozent der Studentinnen und 38 Prozent der Studenten zählen es zu den wichtigsten Kriterien.
Andere Faktoren haben an Gewicht verloren. Die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben nennen nur noch 26 Prozent, nach 38 Prozent vor zwei Jahren. Auch flache Hierarchien und eigenverantwortliches Arbeiten spielen eine geringere Rolle als zuvor. Beim Einstiegsgehalt erwarten die Befragten im Schnitt 44.800 Euro brutto im Jahr, das sind 1.100 Euro mehr als bei der Vorbefragung.
Warum sind Studierende so vorsichtig geworden?
Die Zuversicht beim Berufseinstieg hat deutlich gelitten. Nur noch 39 Prozent sind sich sicher, nach dem Abschluss schnell eine passende Stelle zu finden; 2024 waren es 54 Prozent. Weitere 49 Prozent sind vorsichtig optimistisch. Besonders stark gesunken ist die Zuversicht laut EY bei Studierenden der Medizin und der Naturwissenschaften, jeweils um zwölf Prozentpunkte. Für die Gesamtwirtschaft im kommenden Jahr erwarten 45 Prozent eine Verschlechterung, nur 13 Prozent eine Verbesserung.
Jan-Rainer Hinz, Mitglied der Geschäftsführung und Leiter Personal bei EY, führt den Wandel auf die seit Jahren schwache Wirtschaft zurück: Unternehmen stellten zurückhaltend ein, Einstiegsstellen seien spürbar knapper geworden. „Sicherheit steht beim Berufseinstieg ganz oben“, sagte Hinz. Zugleich rät EY Absolventen, nicht allein auf Sicherheit zu setzen, weil ihnen sonst Chancen entgehen könnten.
Was bedeutet das für das Employer Branding?
Für Arbeitgeber verschiebt sich damit die Ansprache von Nachwuchskräften. Botschaften, die vor wenigen Jahren im Vordergrund standen, etwa größtmögliche Flexibilität oder flache Strukturen, verfangen bei vielen Absolventen weniger stark. Gefragt sind Hinweise auf Stabilität, verlässliche Perspektiven und eine nachvollziehbare Gehaltsentwicklung. Nicole Dietl, Partnerin und Talent Leaderin bei EY, sieht die Aufgabe für Arbeitgeber darin, Sicherheit und Entwicklung miteinander zu verbinden.
Wer gerade jetzt Einstiegsstellen anbietet, trifft auf einen Nachwuchs, der Verlässlichkeit hoch gewichtet. Das kann eine Chance sein, sich als stabiler Arbeitgeber zu positionieren, verlangt aber glaubwürdige Belege statt bloßer Versprechen.
Was Arbeitgeber jetzt wissen sollten
- Stabilität belegen: Unbefristete Verträge, Übernahmequoten von Trainees und Auszubildenden oder die wirtschaftliche Entwicklung des Unternehmens sachlich darstellen.
- Entwicklung konkret machen: Einstiegsprogramme, Weiterbildung und typische Karrierewege nachvollziehbar beschreiben, damit Sicherheit nicht nach Stillstand klingt.
- Gehalt transparent nennen: Gehaltsspannen in Stellenanzeigen erleichtern Absolventen die Einordnung. Mit der EU-Entgelttransparenzrichtlinie wird Transparenz ohnehin wichtiger.
- Zielgruppen unterscheiden: Studentinnen gewichten Sicherheit und Gehalt laut EY stärker als Studenten; Ansprache und Kanäle können das berücksichtigen.
- Einstiegsstellen erhalten: Wer in der Flaute weiter Nachwuchs einstellt, kann sich bei einer Generation, die Verlässlichkeit sucht, als verlässlicher Arbeitgeber profilieren.