Ältere Arbeitslose haben in Deutschland deutlich schlechtere Chancen auf eine neue Stelle als jüngere, doch gezielte Förderung kann diesen Abstand erheblich verringern. Zu diesem Ergebnis kommen zwei im Oktober 2026 veröffentlichte Untersuchungen. Nach einer Analyse von Forschenden der Bundesagentur für Arbeit (BA) und des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) im IAB-Forum wirken die wichtigsten Förderinstrumente bei Arbeitslosen ab 55 Jahren fast durchweg stärker als bei Jüngeren. Eine Studie des ifo Instituts unterstreicht, wie verbreitet Langzeitarbeitslosigkeit in dieser Altersgruppe ist.
Wie groß ist das Problem?
Laut ifo waren 2025 knapp 47 Prozent der Arbeitslosen ab 55 Jahren langzeitarbeitslos, also länger als ein Jahr ohne Job. Bei den 25- bis 54-Jährigen lag der Anteil bei 34 Prozent, wie die Nachrichtenagentur dts berichtete. Auch die IAB-Auswertung bestätigt den Befund: Vergleichspersonen im Alter von 25 bis 54 Jahren fanden deutlich häufiger auch ohne Förderung eine neue Beschäftigung als Ältere. Bei den über 60-Jährigen fielen die Chancen nochmals spürbar ab.
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Als mögliche Ursachen nennen die IAB-Autoren veraltete Qualifikationen, gesundheitliche Einschränkungen, Vorbehalte von Arbeitgebern gegenüber der Leistungsfähigkeit Älterer sowie Lohnerwartungen, die sich am früheren, oft spezialisierten Job orientieren.
Welche Förderung wirkt am besten?
Die Forschenden Thomas Büttner, Torben Schewe und Gesine Stephan haben Förderbeginne aus dem Jahr 2024 ausgewertet und die Teilnehmenden mit statistischen Zwillingen ohne Förderung verglichen. Gemessen wurde der Anteil in ungeförderter Beschäftigung nach 360 Tagen. Bei den über 55-Jährigen erhöhte der Eingliederungszuschuss die Beschäftigungsquote um 37 Prozentpunkte, eine bis zu sechswöchige Probebeschäftigung bei einem Arbeitgeber um 32 Punkte. Kürzere Weiterbildungen brachten ein Plus von 17 Punkten, Maßnahmen bei einem Träger 8 Punkte.
Die Autoren weisen jedoch auf Grenzen hin: Bei Zuschüssen und Probebeschäftigung wählen die Betriebe die Teilnehmenden selbst aus, sodass die Effekte womöglich überschätzt sind. Mitnahmeeffekte lassen sich mit der Methode nicht messen. Zudem ist die Förderintensität seit 2016 bei allen untersuchten Instrumenten gesunken.
Was zeigen Beispiele aus dem Ausland?
Das ifo Institut hat Programme in Österreich und den Niederlanden untersucht. In Österreich erhielten Langzeitarbeitslose befristete, vollständig staatlich finanzierte Stellen. Zwei Jahre nach Programmende lag ihre Beschäftigungswahrscheinlichkeit 43 Prozentpunkte über der einer Vergleichsgruppe. Der Effekt beruhte nach Angaben des Ökonomen Martin Halla von der Wirtschaftsuniversität Wien vollständig auf regulärer, nicht geförderter Arbeit. In den Niederlanden setzte man auf intensive Beratung unter Einbeziehung persönlicher Netzwerke; dort war der Effekt deutlich kleiner. ifo-Forscherin Pia Heckl betont, ältere Arbeitslose seien keine einheitliche Gruppe, weshalb Programme ihre konkreten Hürden berücksichtigen sollten.
Was Arbeitgeber jetzt wissen sollten
- Eingliederungszuschuss nutzen: Nach dem Dritten Buch Sozialgesetzbuch (SGB III) kann die Arbeitsagentur bis zu 50 Prozent des Arbeitsentgelts zuzüglich des Arbeitgeberanteils zur Sozialversicherung bezuschussen, bei Arbeitnehmern ab 55 Jahren bis zu 36 Monate. Die Voraussetzungen sollten vor der Einstellung mit der Agentur geklärt werden.
- Probebeschäftigung erwägen: Eine bis zu sechswöchige Maßnahme beim Arbeitgeber erlaubt es, Bewerber kennenzulernen, während sie weiter Arbeitslosengeld beziehen.
- Vorbehalte hinterfragen: Die Studien deuten darauf hin, dass Stereotype über die Leistungsfähigkeit Älterer Einstellungen bremsen. Strukturierte Auswahlverfahren helfen, Kandidaten nach Kompetenzen zu beurteilen.
- Erfahrung als Ressource sehen: Gerade bei Fachkräfteengpässen kann sich die gezielte Ansprache älterer Arbeitsloser lohnen, gegebenenfalls kombiniert mit einer Anpassungsqualifizierung.