Der Chemiekonzern BASF will seinen Umbau trotz steigender Gewinne fortsetzen und dabei weiter Stellen abbauen. Das sagte Vorstandschef Markus Kamieth am 28. Oktober 2026 bei der Vorlage der Zahlen zum dritten Quartal, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtete. Zugleich hob das Unternehmen aus Ludwigshafen seine Ergebnisprognose für das Gesamtjahr an. Wie viele Arbeitsplätze zusätzlich wegfallen sollen, geht aus den bisher frei zugänglichen Berichten nicht hervor.
Wie lief das dritte Quartal für BASF?
Nach Angaben des Unternehmens stieg der Umsatz im dritten Quartal 2026 um 14 Prozent auf 16,4 Milliarden Euro, vor allem dank höherer Preise. Das um Sondereinflüsse bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA vor Sondereinflüssen) legte um 15 Prozent auf 1,6 Milliarden Euro zu. Laut BASF trugen alle Kerngeschäfte dazu bei.
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Unter dem Strich bleibt das Bild gemischt: Die Sondereinflüsse belasteten das Ergebnis mit 437 Millionen Euro. BASF führt sie vor allem auf Aufwendungen für Restrukturierungen zurück, insbesondere am Stammsitz Ludwigshafen, sowie auf einen Vergleich in einem Rechtsstreit. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) lag mit minus 98 Millionen Euro im negativen Bereich, nach plus 232 Millionen Euro ein Jahr zuvor.
Für das Gesamtjahr erwartet BASF nun ein EBITDA vor Sondereinflüssen von 7,4 bis 7,8 Milliarden Euro, nachdem bisher 6,9 bis 7,7 Milliarden Euro angepeilt waren. „Diese starke Entwicklung unserer Kerngeschäfte seit Jahresbeginn gibt uns die Zuversicht“, die Prognose anzupassen, erklärte Kamieth in der Mitteilung des Unternehmens. Der Konzern beschäftigt weltweit rund 95.000 Menschen.
Wie viele Stellen hat BASF bereits gestrichen?
Der Personalabbau läuft seit Längerem. Wie die Deutsche Presse-Agentur Ende Juli berichtete, hat BASF von Januar 2024 bis Ende Juni 2026 weltweit rund 7.000 Stellen abgebaut, Verkäufe von Geschäften und Neueinstellungen am chinesischen Standort Zhanjiang nicht eingerechnet. Im ersten Halbjahr 2026 fielen nach Kamieths damaligen Angaben mehr Stellen weg als in den beiden Vorjahren zusammen. Am Stammwerk Ludwigshafen sank die Zahl der Vollzeitstellen im Mai erstmals seit 1954 unter 30.000.
Parallel treibt Kamieth die strategische Neuordnung voran. Laut Reuters bezeichnete er einen Zusammenschluss mit dem Konkurrenten Evonik als logisch und sinnvoll; zugleich setzt sich BASF demnach eine Preisgrenze für einen möglichen Kauf. Für die Beschäftigten beider Unternehmen bedeutet das zusätzliche Unsicherheit, solange offen ist, ob und in welcher Form ein Geschäft zustande kommt.
Warum baut ein Konzern trotz besserer Zahlen ab?
Der Fall zeigt ein Muster, das derzeit viele Industrieunternehmen prägt: Kurzfristig höhere Preise verbessern die Ergebnisse, an den strukturellen Kostenproblemen ändern sie aber wenig. Die Chemieindustrie in Deutschland leidet seit Jahren unter hohen Energie- und Produktionskosten. Konzerne nutzen bessere Quartale daher eher, um Umbauprogramme zu finanzieren, als sie zu beenden.
Was Arbeitgeber jetzt wissen sollten
- Restrukturierung ist ein Dauerzustand: Auch bei steigenden Gewinnen planen Großunternehmen weitere Einschnitte. Personalplanung sollte mit mehrjährigen Umbauphasen rechnen statt mit einmaligen Programmen.
- Fachkräfte aus der Chemie werden verfügbar: Der Abbau in Ludwigshafen setzt erfahrene Beschäftigte aus Produktion, Technik und Verwaltung frei. Betriebe in der Metropolregion Rhein-Neckar und darüber hinaus können davon profitieren.
- Fusionen verunsichern Belegschaften: Mögliche Übernahmen wie im Fall Evonik erhöhen das Risiko, dass Leistungsträger von sich aus wechseln. Klare Kommunikation und Bindungsinstrumente gewinnen an Bedeutung.
- Zulieferer und Dienstleister einbeziehen: Wer als Partner großer Chemiestandorte arbeitet, sollte Auftragsrisiken aus Anlagenstilllegungen frühzeitig in die eigene Personalplanung einbeziehen.