Der Frauenanteil in den Vorständen deutscher Börsenunternehmen ist erstmals seit zwei Jahren wieder gestiegen. Das zeigt der am 28. Oktober 2026 veröffentlichte Bericht der gemeinnützigen deutsch-schwedischen Allbright-Stiftung. In den 40 Dax-Konzernen lag der Anteil zum Stichtag 1. September 2026 bei 28,5 Prozent und damit 2,8 Prozentpunkte höher als ein Jahr zuvor, wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet. Über alle 160 untersuchten Unternehmen aus Dax, MDax und SDax hinweg stieg er nach Angaben des Fachmagazins Personalwirtschaft um 0,9 Punkte auf 20,6 Prozent.
Wie verteilen sich die Vorstandsposten?
Laut Personalwirtschaft sind in den 160 Unternehmen 693 Vorstandsposten besetzt, 143 davon mit Frauen und 550 mit Männern. Die Unterschiede zwischen den Indizes sind groß: Im MDax liegt der Frauenanteil nach dpa-Angaben bei 19,1 Prozent, im SDax bei 14 Prozent und damit bei weniger als der Hälfte des Dax-Wertes. Im MDax ging der Anteil laut Personalwirtschaft sogar um 1,3 Punkte zurück.
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In 58 börsennotierten deutschen Unternehmen gibt es im obersten Führungsteam keine einzige Frau, 57 davon gehören zu MDax oder SDax. Im Dax ist der Chemiehändler Brenntag laut Personalwirtschaft das einzige Unternehmen ohne Frau im Vorstand. Auf der anderen Seite erreicht jedes vierte Dax-Unternehmen einen Frauenanteil von mindestens 40 Prozent, den die Stiftung als ausgewogen betrachtet.
Wo liegt die Autoindustrie?
Die Autobranche bleibt nach dem Bericht ein Nachzügler. Bei BMW, Mercedes-Benz und Volkswagen sitzt laut dpa jeweils nur eine Frau in Vorständen mit sieben oder acht Mitgliedern. Bei Volkswagen ist dies nach Angaben von Personalwirtschaft Personalvorständin Erika Rasch. Eine Ausnahme ist Daimler Truck, das von einer Frau geführt wird und drei Frauen in der obersten Führungsebene hat. Allbright-Geschäftsführerin Wiebke Ankersen sieht in der Autoindustrie eine Beharrlichkeit sowohl bei Geschäftsmodellen als auch bei der Besetzung der Führungsteams.
Welche Ressorts übernehmen Frauen?
Besonders häufig werden Frauen nach dem Bericht für das Personalressort berufen, während Männer überwiegend an die Spitze rücken. Unter den Vorstandsvorsitzenden zählt Allbright laut Personalwirtschaft elf Männer mit dem Vornamen Christian, aber nur sechs Frauen. Bei den Finanzressorts wurden seit September 2025 etwa gleich viele Männer und Frauen neu berufen. Zudem verließen zuletzt anteilig mehr Männer als Frauen ihre Vorstandsposten.
Im internationalen Vergleich holt Deutschland auf. Unter den jeweils 40 größten Unternehmen liegt der Frauenanteil in den Vorständen laut dpa in Großbritannien bei 34,6 Prozent, in Frankreich bei 31,5 Prozent und in den USA bei 30,7 Prozent. Erstmals wuchs er in Deutschland stärker als in diesen Ländern. Die Stiftungsgeschäftsführer Ankersen und Christian Berg betonen, ein neuer Aufschwung sei noch nicht sicher: „Die Vorstände der Dax-Konzerne können in acht Jahren paritätisch aufgestellt sein - wenn es gewollt ist.“ Bei dem Durchschnittstempo der vergangenen fünf Jahre würde es über alle Indizes hinweg laut Personalwirtschaft dagegen noch 26 Jahre bis zur Parität dauern.
Was Arbeitgeber jetzt wissen sollten
- Talentpipeline entscheidet: Ankersen empfiehlt Personalabteilungen, die Karrierewege von Frauen und Männern anzugleichen und das Talentmanagement zu stärken. Wer Vorstände ausgewogen besetzen will, muss auf den Ebenen darunter beginnen.
- Elternzeit für Männer fördern: Nach Ansicht der Stiftung hilft es, wenn auch Männern längere Elternzeiten nahegelegt werden. Das verteilt Karriereunterbrechungen gleichmäßiger.
- Transparenz wirkt: Den Anstieg im Dax führt Ankersen auch auf Internationalität und die stärkere Beobachtung durch Anteilseigner zurück. Auch nicht börsennotierte Unternehmen stehen zunehmend unter Erwartungsdruck von Kunden und Bewerbern.
- Nicht nur das Personalressort: Wer Frauen vorwiegend für HR-Funktionen beruft, verbessert zwar die Quote, nicht aber die Durchlässigkeit für operative Spitzenpositionen.